25. Shakespeares ÜbersetzerInnen

Als Johann Joachim Eschenburg 1787 im Rahmen seiner Abhandlung über Shakespeares Gedichte auch 56 Sonette in deutsche Prosa übersetzte [hier], konnte er nicht ahnen, dass sich ab dem 19. Jahrhundert bis heute eine kaum überschaubare Zahl von Dichtern, Gelehrten, Laien und Liebhabern aus den verschiedensten Berufsgruppen sowie sämtlichen Altersgruppen (zwischen 24 und 90 Jahren) diesen Wunderwerken in 14 Zeilen widmen würde. So gibt es an die 200 Teil- und an die 70 Gesamtübersetzungen (Stand: April 2014), wovon vier Gesamtübertragungen derzeit unpubliziert sind. Es entfallen auf das 19. Jahrhundert 16 Gesamtübersetzungen sowie zwei mit je 151 Sonetten (von Karl Lachmann, 1820 und Andreas Schumacher, 1826) (davon eine von einer Frau) auf das 20. Jahrhundert 36 Gesamtübersetzungen sowie eine Version mit 150 Sonetten (von Otto Hauser, 1931) (davon acht von Frauen), auf das 21. Jahrhundert (April 2014) 15 Gesamtübersetzungen (davon eine von einer Frau). Dazu kommen drei Dialektübersetzungen ins Plattdeutsche, in den Berliner Dialekt (jeweils von Frauen) und ins Wallissertitsche.

Wie dieser Überblick zeigt, sind im Gegensatz zu den männlichen Übersetzern die weiblichen mit nur elf deutlich in der Minderzahl. Zudem wurden drei der von Frauen stammenden Übertragungen erst nach dem Tod der Übersetzerinnen publiziert, und zwar 1992 die erste Gesamtübersetzung (zirka 1824/25) von Dorothea Tieck. Sophie Heidens Version von 1935 erschien 2001, und 2010 wurde erstmals in Deutschland die im japanischen Exil angefertigte Übersetzung (1944) der bekannten Cembalistin Eta Harich-Schneider veröffentlicht. Auch fehlen zu einigen Übersetzerinnen grundlegende biographische Angaben, so zu Therese Benjamin und Beatrice Barnstorff Frame, die ihre Übertragungen 1930 und 1931 publizierten. Die jüngste unter den Übersetzerinnen ist die 1966 in Güstrow geborene Lyrikerin Simone Katrin Paul, deren 1998 publizierte Version allerdings sang- und klanglos verschwunden ist, während Christa Schuenkes Übersetzung seit ihrem Erscheinen 1994 mehrere Auflagen erfuhr, bisher zweimal als Hör-CD auf den Markt kam, für mehrere szenische Lesungen und Theateraufführungen herangezogen wurde und auch oft in Programmheften zitiert wird. Mit Recht reiht sich heute die Version Christa Schuenkes – es war vor 20 Jahren die 40. Gesamtübersetzung – zu den anderen beiden erfolgreichsten Sonettklassikern von Gottlob Regis (1836) und Stefan George (1909), die freilich aus ganz anderen Gründen ebenfalls immer wieder neu aufgelegt werden. / Christa Jansohn, literaturkritik.de

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