107. Tuvia Rübner 90

Seit mir vor gut einem Jahrzehnt beim Bremer Festival »Poetry on the Road« Tuvia Rübners tiefe, ruhig-warme und auf merkwürdige Weise fremd-vertraute Stimme erstmals in die Ohren geriet, ist mir ihr Echo im Kopf geblieben. Auch jetzt, da ich den soeben im Aachener Rimbaud-Verlag rechtzeitig zum heutigen 90. Geburtstag des Dichters erschienenen Lyrikband Wunderbarer Wahn aufschlage, höre ich diese unverwechselbare Stimme gleich wieder, ihr ganz spezielles Timbre, in dem etwas Vergangenes bewahrt ist.

Etwas, das der 17-Jährige mitgenommen hat, als er 1941 seine Heimatstadt Pressburg verließ, um sich über Ungarn, Rumänien, die Türkei, Syrien und den Libanon durchzuschlagen nach Palästina, in den Kibbuz Merchavia, wo er seitdem lebt. Und wo ihn dann über das Rote Kreuz im Juli 1942 die letzten Nachrichten von seiner Familie erreichten, den Eltern und der geliebten, damals 13 Jahre alten Schwester Alice, die ermordet wurden in Auschwitz, wie die Großeltern und anderen Verwandten, wie die Schulfreunde und Nachbarn. (…)

»Ohne das Schreiben von Gedichten«, teilt Tuvia Rübner im Nachwort zu seinem neuen Lyrikband mit, der ausschließlich Gedichte enthält, die er in seinem 88. und 89. Lebensjahr verfasst hat, »wäre ich wahrscheinlich in meinem Morast versunken.« / Michael Augustin, Jüdische Allgemeine (http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/18233)

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