80. Gestern

… vor 67 Jahren wurde Elfriede Jelinek in Mürzzuschlag / Steiermark geboren. Aufgewachsen ist sie in Wien, wo sie schon während der Schultzeit am Wiener Konservatorium Orgel, Klavier und Blockflöte studierte. Nebenbei spielte sie auch Geige, Gitarre und Bratsche. Von der Mutter war sie schon früh zu außerordentlichen Leistungen gedrängt worden.

1971 schloss sie ihr Orgelstudium mit „sehr gut“ bei Leopold Markstein ab. Einer der ersten, dem sie ihre Gedichte zeigte, war dieser Orgellehrer. Schon seit 1966 ist sie als freie Schriftstellerin tätig. Die 18. Österreichische Jugendkulturwoche im Jahre 1967 bringt ihr erste wichtige Kontakte. In einer kleinen Edition in München erschien 1967 ihr erster Gedichtband Lisas Schatten (Relief-Verlag-Eilers). Ernst Jandl wurde auf sie aufmerksam und setzte sich bei Alfred Kolleritsch für sie ein. In der Zeitschrift protokolle erschienen ihre Gedichte 1968 über mehrere Seiten (mourez parmi la voix terrible de l’amour, sweet sweet amaryllis, des herbstnachts…, spiel mit großvater, wettlauf). Für das Gedicht DIE NACHT LISA aus ihrem ersten Gedichtband wurde sie neben weiteren Gedicht auf der 20. Österreichische Jugendkulturwoche 1969 mit dem Preis für Lyrik ausgezeichnet.

DIE NACHT LISA

lisas
schatten macht einen
wehrlosen fleck
lisa wirft
wehrlos
bettlern in den
rattenschoß
lisas schatten wo
ist er
ist er dort oder ist
er nahe dort
lisas schatten ist ein kind
dunkle sohlen hat der wind

lisa erbricht sich und steht strauchvoll
himbeer lisas schatten wirft das flußbett
es schweigen die ratten in schoßes schat
ten es springt der stern im himbeersaft
der nacht der stern blüht am strauch lisas
lisa ist rot aber lisa ist auch orangen
fleischgelb

an der mauer steht RAUS mit weisender hand
an der mauer auch ein himbeerstrauch ein
hahn zerrinnt an lisa dem kind der schrei
eines hahns zerfließt zu eigelb mitten
in ein schwarzer hahn zerrinnt zu stern
lisas stern biegt sich kreis zu gelbgeschrei
im himbeerstrauch
der rote strauch reißt sein sternmaul auf

ein gelbes ei kräht zitternd
ein herbstspaziergang stolpert
in den schoß voll der ratten
lisas schatten
wo
dort oder nahe hier
schatten ist ein kind
dunkle sohlen hat der wind

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: