79. Bloopers

blooper: Versprecher {m}
blooper [coll.]: Schnitzer {m} [ugs.] [grober Fehler]
blooper [esp. Am.]: Outtake {n} [herausgeschnittene (komische) Szene]film
blooper [esp. Am.] [coll.]: Panne {f} [Missgeschick]
Missgeschick {n}: Patzer {m} [ugs.] Ausrutscher {m} [ugs.]
blooper [Am.]: Stilblüte {f}
blooper [Am.] [coll.]: peinlicher Fehler {m}

In einem taz-Artikel über die Dichterin Sarah Kirsch lese ich:

Von 1973 bis 1976 war sie Vorsitzende des DDR-Schriftstellerverbands, bis sie die Petition gegen die Ausbürgerung Biermanns unterzeichnete, was zum Ausschluss aus der SED und aus dem Verband führte.

Paperlapapp! Davon abgesehen daß der DDR-Schriftstellerverband keinen Vorsitzenden hatte, sondern einen Präsidenten (Hermann Kant) bzw. eine Präsidentin (Anna Seghers) und dazu einen Ersten Sekretär – die Vorstellung, daß jemand wie Sarah Kirsch Vorsitzende oder Präsidentin eines solchen Verbandes hätte sein können ist absurd. Außer dem Dichter Kuba (Erster Sekretär 1952-54) hatte niemals ein Lyriker eine Funktion im Verband – die wußten, daß selbst die staatsfrömmsten Lyriker eher unzuverlässig waren! Ein Experiment mit Becher als Kulturminister reichte! Erst 1990, in einer Notsituation, wurde Rainer Kirsch, ebenfalls Lyriker und ein paar Jahre mit Sarah Kirsch verheiratet, der letzte Präsident des sich bald darauf selbst auflösenden Verbandes.

Nein, Sarah Kirsch war lediglich von 1973 bis 1976 Mitglied im rund 100 Kopf starken Vorstand, wahrlich kein Entscheidungsgremium. Daß sie 1973 überhaupt dahinein gewählt wurde, war Ergebnis und Zeichen eines Tauwetters, in den Jahren zuvor war sie Ziel von Hämeattacken durch Verbandskollegen und Kritiker. Nachdem Sarah Kirsch aus dem Vorstand entfernt wurde, trat ihre Schriftstellerkollegin Christa Wolf aus Protest ihrerseits aus diesem Riesenvorstand aus.

Auf dem kleinen Tisch steht eine Taube aus finnischem Glas, die Trophäe des Literaturpreises der Konrad-Adenauer-Stiftung, ein Preis, den Sarah Kirsch mit einigem Zögern nur entgegennahm. In ihren Texten drängt sich das Politische nicht auf, sie war keine politische Dichterin, aber eine politische Person war sie. So lehnte sie zum Beispiel das Bundesverdienstkreuz ab, weil es ihr vom damaligen Bundestagspräsidenten Karl Carstensens verliehen werden sollte, der als ehemaliger NS-Offizier hinlänglich bekannt war. Daraus machte sie keine Geschichte, keine Meldung, sie lehnte nur still ab.

Karl Carstensens war vielleicht doch nicht hinlänglich bekannt, sonst hätte sich sein  wahrer Name herumgesprochen. Der Mann hieß Carstens.

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