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Veröffentlicht am 14. Juni 2013 von lyrikzeitung
Eine Stimme von 1905:
Romanlektüre ist zur gesellschaftlichen Mode geworden, beinahe eine Pflicht. Man treibt sie um des Reizes der Spannung willen und weil man zuweilen in die Verlegenheit gerät, vom Inhalte Zeugnis ablegen zu müssen. Ich weiß, daß viele unter höheren Gesichtspunkten lesen, daß sie losgelöst von solchen halb und halb praktischen Interessen vor „Wilhelm Meister“ sitzen; aber warum findet denn nach wie vor die deutsche Lyrik, besonders die gute, keinen Absatz? Storms „Immensee“ und „Schimmelreiter“, Hebbels Dramen, Kellers „Grüner Heinrich“ und „Leute von Seldwyla“, Meyers „Jürg Jenatsch“, Mörikes „Mozart“ werden hundertmal gelesen und wohl auch dreimal gekauft, ehe die lyrischen Schätze der Fünf auf dem Lesetische erscheinen.
Lyrische Andachten: Natur- und Liebesstimmungen deutscher Dichter, gesammelt von Ferdinand Gregori, Leipzig: Max Hesse, 1905, S. 2.
Kategorie: Deutsch, Deutschland, SchweizSchlagworte: Conrad Ferdinand Meyer, Eduard Mörike, Ferdinand Gregori, Friedrich Hebbel, Gottfried Keller, Theodor Storm
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