115. Erkenntnisräume

Der Schwarzwälder Bote sprach mit Matthias Kehle:

Gedichtaufbau, Zeilenanordnung und -zusammenhang verlangen vom Leser aktive „Mitarbeit“, nicht nur bloßen Konsum. Verlocken Sie ihn damit bewusst zum Verweilen und Hinterfragen, oder sind das zeitgeistkonforme methodische Mätzchen?

Ich möchte zum Verweilen und zum Hinterfragen verlocken und hoffe, dass sich so manches vermeintlich „schwierige“ Gedicht in meinen Lesern einnistet und er sich mit all den Rätseln, Hintergedanken, Sprachspielen, die ja sehr bewusst gesetzt sind, beschäftigt. Dann eröffnen sich ihm, so hoffe ich, große Bedeutungs- und auch Erkenntnisräume.

Stark chiffrierte Gedichte mit verwegenen Wortschöpfungen kontrastieren mit Arbeiten, die Sie als Analysten des Alltäglichen, nahezu Banalen am Beispiel der Trilogie „Hotelzimmer“ ausweisen. Wie erklärt sich diese unterschiedliche Vorgehensweise?

Mal ist das Leben banal, mal unerklärlich, mal erfordert ein Gedanke eine Verschlüsselung, um klar zu werden, mal eine Reduktion. Außerdem ist jedes Gedicht ein geschlossenes sprachliches System, das in sich stimmig sein muss. Mal als hermetisches, mal als banales System. Kurz: Jedes Sujet sucht sich seine Form. Und da die Gedichte stark komprimiert sind, sind sie notwendigerweise komplex.

Matthias Kehle: Scherbenballett. Gedichte. Verlag Klöpfer & Meyer Tübingen 2012. Gebunden mit Schutzumschlag. 124 Seiten.16 Euro

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