104. Polemisch

Die Luft brennt ober- und unterirdisch. Hier eine Spur, nein ein Bericht aus der Kampfzone (Vorsicht, Stolterfoht ist mit Sätzen bewaffnet, mindestens mit dem einen Satz, gefährlicher als die Schweizergarde):

Ich mag sie nicht, diese „Which side are you on?“-Attitüde, die in der zeitgenössischen Lyrikdiskussion nach wie vor virulent ist, dieses deutsche Lagerdenken „Was bist du – Fundi oder Realo?“ Aber wenn mir jetzt jemand die Pistole auf die Brust setzte, um mich zu einem programmatischen Satz zu zwingen, würde ich sagen: Mich sensationieren nur Gedichte, die einleuchten. Und das meine ich keineswegs nur im logischen Sinne des Einsehens oder Verstehens. Nein, Einleuchten im Wortsinne. Das können auch assoziativer Flow und faszinierende Sprachmontage sein. Einzige Voraussetzung: Das Gedicht trägt eine Spannung in sich, die Kühnheit einer neuen Beobachtung, eines erfrischenden Bildes, eines bislang ungedachten Gedankens, der beim Leser/Hörer ein Kribbeln im Kopf (und anderswo) auslöst, kurz: der ihm eine Chance auf Entdeckerglück bietet. Das können übrigens auch Gedichte leisten, die man auf Anhieb versteht. Sofortiges Verstehen ist kein Kennzeichen für die Flachheit eines Gedichts. Äußert man aber so eine These, da kommen sie in Wallung, die Sprachschichtgeologen und Sprechzonen-Türsteher der deutschen Gegenwartslyrik. Da dräut man mit päpstlichen Dogmen á la „Das Verstehen hat der Teufel gesehen“ und manche, die sich auf junge Wilde föhnen, aber im Grunde nur Elefanten im Paul-Celan-Laden sind, bemängeln, solche Gedichte seien „konventionell“ und würden „kein Wagnis eingehen.“ Dem muss ich energisch widersprechen.

Ich habe solche Avantgarde-Dichter schon bei zahllosen Lesungen erlebt, wie sie ihre aus Versatzstücken und Fertigteilen zusammengeschredderten Gebilde vortragen, ach was, vortragen, den Hörern im Maschinengewehrtempo um die Ohren ballern. / Hellmuth Opitz

19 Comments on “104. Polemisch

  1. So klein ist die Lyrik-Welt. Eine Idylle gar?

    Vor wenigen Tagen erst begegnete ich hier dem Namen Hellmuth Opitz. Sein Zitat löste einen kleinen Disput aus.

    Als ich nunmehr in Günter Spechts Spechtart nach neuesten Nachrichten surfte, wer begegnet mir da plötzlich: Helmmuth Opitz mit seiner neuesten Anthologie: Die Dunkelheit knistert wie Kandis.

    Hier die Links:

    http://www.spechtart.de/inkbrett.html

    http://www.spechtart.de/buehne_0.1.html

    Liken

  2. Das verstehe ich nicht, es wurden doch allerhand Namen genannt? Selbst wenn der der argumentiert seine Sache auch beschreiben kann, sodass ein Name eventuell verzichtbar wird.
    Aber selbst wenn hier keine Namen genannt würden: Möchten sie Mitdiskutatnet zwingen ihre Karten auf den Tisch zu legen, während sie Opitz zugestehen, sein Blatt in der Hand zu behalten?

    Liken

  3. freunde der arbeitsteilung: da entsteht eine „debatte“, aufgrund einer polemik, die ja so erwünscht, anregend usw ist, und es werden KEINE NAMEN GENANNT…

    verlassen die herren sich darauf, dass da noch was kommt?

    Liken

  4. Florian, mit anderen Worten: Wer ein großes und unelitäres Publikum hat ist kein ernsthafter Künstler?

    Liken

  5. Pingback: 113. Gezwitschert, gegeigt und gesungen (1) « Lyrikzeitung & Poetry News

  6. „Die Wiklichkeit ist unter Diskursen verschüttet.“ kommentiert Bertram Reinecke unter anderem.

    Wenn ich aus Dada und Konkreter Poesie zu meinen Poetry-Texten gekommen bin und damit „Wirklichkeit“ von heute z.B. in meinen Politiker-Worten mit den Mitteln von Poesie und Kunst verwende, interessiert das (noch) keinen im Literaturbetrieb, keinen Verlag und keinen sonstigen „Kenner“ aus der Szene, wie ich sie auch hier in dieser „Polemik“ antreffe. Was mir allein bleibt, ist: Social-Media. Dort aber finden sich schon vereinzelt Künstler, (die solche Arbeiten in ihren Videos verwenden). Das ist mir dann wichtiger, als in edlen Lyrik-Bändchen mit entsprechenden elitären Rezensionen zu erscheinen, die eh nur ein winziger Insiderkreis zur Kenntnis nimmt. Was aber nicht heißen soll, meiner experimentelle Lyrik ginge es viel besser. Mir bleibt die Genugtuung, in die Zukunft zu wirken, statt mich weiter in untergehenden, bürgerlichen Gefilden rumzuquälen. Polemisch?

    Liken

    • Andererseits ist der Videokünstler an und für sich nur von einem ebenso winzigen und elitärn Kreis von Zuhörern umgeben. Wie eigntlich alle ernsthaften Künstler…

      Liken

      • Leider ist das so. Aber entscheidend für mich dabei bleibt, ob ich mich auf einem langsam sinkenden Schiff befinde oder im CyberSpace in unbekannte, doch sehr spannende Richtungen katapultiere.

        Liken

  7. Ja, auch bei Falkner allerdings war mir der grundsätzliche Argumentationszug: „Gut kann nur sein, was mir plausibel ist, ich muss es wissen als ausgewiesener Kenner“ schon etwas autoritär, wohl auch, weil mir Manches plausibel ist, was es anderen nicht ist. Und warum müssen sie dieses klare Argument immer aufhübschen „als hätten sie über Jahre zu viel intellektuelle Gewichte gestemmt.“
    Beim Weiterhelfen wäre immer die Frage wem und wozu. Das gilt für Stolterfohtgespräche, das gilt für die Polemiken. Mancher fühlt sich auf die Versicherung, er kenne sich nun soweit ganz gut aus, auch angewiesen …

    Liken

    • D’accord en presque tout avec toi, auch wenn ich nicht glaube, dass sich »die Basis auf der gesprochen wird« so leicht von dem, »was eigentlich ausgesprochen wird«, trennen ließe. Aber Du meinst damit wahrscheinlich, dass ein »Stil« oder Ähnlichklang nicht darüber hinwegtäuschen darf, dass jedes Gedicht oder jeder Zyklus ein autonomes Gebilde ist, aus dem jeweils etwas Anderes auf andere Weise spricht, oder? (Mit »autonom« meine ich natürlich nicht, dass es ex nihilo eigenmächtig oder zusammenhanglos frei im Raum schwebend wäre).
      Um festzustellen, wie und aus welchen Texten Wirklichkeit spricht, müsste man ersteinmal klären, was überhaupt Wirklichkeit sei und was es bedeutet, dass diese sprachlich vermittelt ist und ob sie überhaupt anders als sprachlich vermittelt sein könnte. Was Wirklichkeit, Erfahrung, sprachliches Abbilden bzw. Sprache überhaupt ist – um dieser Fragen willen spricht doch ein Großteil der Literatur und, bestenfalls Hand in Hand mit ihr, der Philosophie. Also geht es letztlich doch um Erkenntnistheorie und Semiotik. Auf Eco, auf Theorie überhaupt zu verweisen ist keine Gewichtheberei, auch kein abgehobenes Herumpathetisieren, sondern angemessen. Zur Evidenz fällt mir Szondi ein – und das gilt, denke ich, für jedes Sprechen über Sprache (und nichts anderes ist mit Philologie gemeint), und im besonderen über Sprache in ihrer Extremform, dem Gedicht: »Evidenz aber ist das adäquate Kriterium, dem sich die philologische Erkenntnis zu unterwerfen hat. In der Evidenz wird die Sprache der Tatsachen weder überhört, noch in ihrer Verdinglichung mißverstanden, sondern als subjektiv bedingte und in der Erkenntnis subjektiv vermittelte vernommen, also allererst in ihrer wahren Objektivität.« (Traktat über philologische Erkenntnis, 1970, 27).
      Ich weiß, das löst nicht das Problem, dass Manchem Manches evident ist, was Anderen nicht einleuchtet und umgekehrt. Aber spielt da vielleicht eine Verwirrung und Vermischung von Geschmack und Evidenz mit rein? Kann mir etwas einleuchten, ohne dass es mich auf allen Ebenen trifft und berührt? Kann ich ein Gedicht plausibel finden, es intellektuell nachvollziehen, seine Verdienste anerkennen und trotzdem sagen, es gefällt mir nicht, weil ich etwa mit diesem Rhythmus keine eigene Erfahrung verbinde? Das läge ja wiederum an mir, nicht an dem Text. Ist das plausibel? Oder würde auch dadurch der schwarze Peter nur weitergeschoben?

      Liken

      • Ja, die Trennung zwischen der Basis und dem was darin gesagt wird ist heikel und riecht etwas nach der unseligen Form-Inhalt Unterscheidung. Allerdings wenn man parodiert bspw. dann meint man ja immer so eine Linie aufzufinden. Also mehr als heuristisches Konzept und nicht als eine definitive Sache auffassen.
        Du hast recht: Formulierungen wie „die Wirklichkeit verschüttet unter Diskursen“ waren sehr unglücklich, weil sie aussehen, als könne man sie freigraben und quasi nackt in die Hand nehmen. Deine Bemerkungen sind deswegen sicher berechtigt, auch wenn mir der Szondi hier nicht schmecken möchte. Zu stark wertende Anteile zu viele quasisachliche Unterscheidungen, über die man massiv in Streit geraten kann. Und wenn man in Streit gerät ob „die Sprache der Tatsachen weder überhört, noch in ihrer Verdinglichung missverstanden“ wurde oder nicht (wie entscheidet man das?) dann wird immer der Angesehenere seine Meinung behaupten können.

        Liken

  8. Das übliche Problem der Polemik Opitz ist doch, dass dies schon böser und ausführlicher von Falkner in „Der Unwert des Gedichts“ beschrieben wurde, und das Opitz zugleich den einzigen möglichen Mehrwert nicht erbringt – nämlich die Namen zu nennen.
    Was ich wirklich schade finde, denn erst dann lassen sich öffentliche Positionen einnehmen, in einer Auseinandersetzung über DAS GEDICHT, die ich für nötig erachte.
    Ich lese solche Polemiken ja gerne, aber sie helfen nicht weiter. Und ein Diskurs nur über Stolterfohts Gedichte auch nicht.
    Aber wir wissen alle: wer Namen nennt, lebt gefährlich.

    Liken

  9. Weil auf einer anderen Debatte das gleiche Missverständnis kam, verstehe ich Deinen Beitrag jetzt an einer Stelle in einem anderen Licht: ich meinte: Den Handaperat lesen nicht als Begleitbuch, sondern als anders gemachtes Werk der Heslachförmigen Diskurswelt sozusagen. so meinte ichs.

    Liken

  10. Natürlich weiß ich, dass es sinnlos ist, gegen Geschmack zu argumentieren. Deswegen diskutiere ich lediglich dagegen welchen gedanklichen Ausdruck das findet. Wenn ich Jacobs (z.B. sein Gedicht über die Topografie des Terrors), oder Gernhard (z.B. … Was sind das für Zeiten, wo ein Witz über Tiger …) und Hacks (… und sie verharren auf Paterren mit Verbenen …) und so weiter schätze (fühle Dich mitgemeint) …. dann weil sie sprachlich etwas verstellen oder herbeischaffen, was in dieser Wirklichkeit eben nicht notwendig mitgegeben ist. Und auch wenn Du das Gedicht über die Scheune lobst, so kenne ich doch die Sprüche für Gedichte, die aus dem Diskurs kommen den Du pflegst, wenn sie „lediglich“ Wirklichkeit abbilden „das reicht mir nicht“ usw. Auch da scheint es mir darum zu gehen, dass etwas mit etwas ins Verhältnis gebracht wird, was in der Sche so nicht drin war und zwar sprachlich. Und die Wirklichkeit spielt dabei sozusagen nicht mehr mit. Abilden scheint im Fall eines misslungenen Gedichts immer plötzlich das Kinderleichte zu sein. Es kann mir auch keiner wirklich sagen, was genau sprachliches Abbilden denn sein soll. Das ist doch ein Vorurteil, Sprache immer ungefähr wie Bilder funktionieren sehen zu wollen (wos bei Bildern doch heikel genug ist vgl. z.B. Eco „Erkenntnistheorie und Semiotik“ oder ist das schon wieder intelektuelle Gewichtheberei?)
    Von Endler her, wo die Wirklichkeitsmomente noch stärker durchscheinen kommt man dahin, dass auch in Stolterfohts Sprache ein Gutteil Wirklichkeit aufgehoben ist (und nicht zu knapp!). Seine Sprache als Dessiderat seiner Erfahrung. Hat mit einem platten Biografismus nix zu schaffen.
    Widerholende Grundmuster sind kein Einwand gegen die Texte. (Gibts ja immer.) Wenn Du das Gefühle: Schon wieder! hast, dann hast Du es bei ihm vielleicht nur aquf diedie Basis auf der gesprochen wird, noch nicht auf das was eigentlich ausgesprochen wird: Denn das hieße ja, man müsste das Material des einen Textes durch das des anderen ersetzen können ohne dass es sich wesentlich ändert. Wenn Du das glaubst, dann siehst Du, dass für Stolterfoht offensichtlich anderes wesentlich war. Oder, Du hast ja mit ihm Bier getrunken, hällst Du ihn für einen Maniker mit Wiederholungszwang? (Kennst Du solche Leute zum Vergleich?)
    Man kann sich also wohl auf die Suche machen: Warum sollte dieses nicht ein Fall desselben. vielleicht ist mein Kategorienraster zu unscharf? Da wird man dann darauf stoßen können, was dem Dichter wesentlich war. (Ob man das schätzt ist wieder eine andere Frage.) Ich finde, man kann die Fachsprachenbände schon deutlicher unterscheiden als Du es tust auch wenn ich mir nicht zutraue jeweils richtig zu tippen, wenn man mir jeweils ein Gedicht vorlegte und fragte: welcher Band?
    Ich finde das Wintermärchen sehr ironisch artifizell uns sehr topologisch gebaut (aus Phrasen zusammengesetzt, schau mal, wie er z.B. das Wort Blau benutzt). Wenn das Dringlichkeit sein soll, dann wirst Du sie auch bei Stolterfoht finden.

    Liken

  11. Wenn Treichel in einem Gedicht über sein schmerzendes Knie schreibt, oder wenn Jan Wagner über Mücken sinniert, wenn Stefan Jacobs oder Robert Gernhard in einem Stück Gedankenlyrik die Liebe aufs Korn nehmen, wenn Peter Hacks über den Zustand der Verhältnisse grumelt, wenn Rolf Haufs ganz lakonisch über den Zustand im Rollstuhl schreibt, wenn Heinz Czechowski die Morschheit seiner Scheune beklagt, mag die „Wirklichkeit“ unter Diskursen zugeschüttet sein, wie sie will, ein Teilausschnitt der Lebenswelt, eine gedankliche Auseinandersetzung des Dichters wird durch Sprache für mich als Leser erfahrbar. Ulf Stolterfoht und andere thematisieren für meinen Geschmack auf eine inzwischen ermüdende Weise eben diese Diskurse. Das mag ein zwei Gedichtbände lang interessant, und bei Ulfs Wort- und Zitatkombinationen, wo die Wissenschaftssprache bis zum Nonsens geführt wird, auch vergnüglich sein, zumindest für die Kenner solcher Diskurse, aber dann wiederholt sich das, wird ausvariiert, dieses metadiskursive Spiel. Ich habe sogar den Eindruck, wenn ich zwei, drei Gedichte von Ulf gelesen habe, daß mir das dann reicht. Diese Fachsprachentextsammlungen sind auch so ausufernd, in ihrem immergleichen Grundduktus, ihrer immergleichen Strophenform (vierzeilig, sechszeilig), Sprache, die auf sich selbst verweist, Sprache, die sich nicht darum kümmern will, was sie bedeutet. „Verstehen“ im Sinne, dieses oder jenes will der Text mitteilen, ist nicht beabsichtigt. Doch darum sind mir diese Texte auch zu beliebig. Man könnte fragen, was motiviert mich, ein Gedicht zu lesen? Etwa, weil ich etwas verstehen will von dieser Welt? Daß sich Ulf für computergenerierte Texte begeistert, für Sprache, die Bedeutung hat, ohne das sie von jemanden beabsichtigt wäre, verwundert mich nicht. Holzrauch über Heslach hebt sich zwar etwas heraus. Aber wenn dann ein hilfloser Rezensent etwas von biograhhischen Bezügen schreibt, hat er natürlich bei diesem Text auch wieder Unrecht. Es ist ein allzu ironisches Spiel mit dem Epos, und dann so monolithisch, so verschwurbelt (soll es ja auch) daß ich nicht zwei, drei Seiten lesen kann, ohne das es mich nervt. Heines Wintermärchen als eines der letzten Epen in deutscher Sprache ist dagegen ironisch und ernst, persönlich dringlich, will etwas mitteilen, lädt mich als Leser ein, verführt mich. Bei Ulfs Texten stellt sich das bei mir nicht ein. Bei Konstantin und Michael geht es mir ähnlich. Aber das ist ja auch nicht weiter schlimm. Soweit kommts noch, daß mir alles gefallen müßte.

    Liken

  12. Lieber Christian: Stolterfoht kann ja auch gar nicht gemeint sein. Teufel hin Teufel her: „Vergnügen ist solchen Lyrikern per se verdächtig“ gilt ja von ihm sicher total überhaupt nicht. Oder ist Opitz wirklich derart desinformiert?

    Liken

  13. neinnein, ich glaube, es ist auch außerhalb der lyrikzeitung kein verbrechen. wahrscheinlich wäre es nicht einmal in nordkorea ein verbrechen, zu sagen, man findet stolterfohts, opitz‘ oder kreis‘ oder xys verse langweilig. ich hoffe, es hält auch keiner für ein verbrechen, daß ich das wort „polemisch“ über den auszug geschrieben hab. 😀
    ich fände es sogar erfrischend, wenn wir etwas öfter zu lesen kriegten: ich habe mich bei xy gelangweilt. aber das wird sehr selten gesagt, auch opitz sagt es ja gar nicht. (mit verlaub, den namen stolterfoht hab ja ich dazugeschrieben).
    schon gar nicht „beschreibt“ der autor, warum kreis (oder opitz oder wer) stolterfohts gedichte nicht mag. ein bißchen mehr ansprüche an das verfahren beschreibung sollte man doch stellen. in der mitte des textes nennt er ein kriterium (zwischen „mich sensationieren nur gedichte“ und „kein kennzeichen für die flachheit“), aber er wendet es ja nicht an. der rest ist polemik pur. (komisch ist: er distanziert sich von „diesem deutschen lagerdenken“ und schlägt sich dann prompt in ein „lager“, eben indem er vermeidet, über konkrete autoren oder strukturen zu sprechen und lieber „Sprechzonen-Türsteher der deutschen Gegenwartslyrik“ heraufbeschwört [o, bin das jetzt ich, wenn ich ihn kritisiere??!!], indem er „man“ und „manche“ sagt und „solche avantgardedichter“.)
    manche, einige, gewisse, sogenannte… jaja. soviel zum stand der debatte.
    (und verdammt noch mal oder mit einem leipziger jungen wilden um 1700 „der tebel hol mer“: muß man stolterfoht-fan sein, um das so zu sehen wie mein kommentar? ich fänds schade… aber die DEBATTE ist wohl so…)

    Liken

    • Beschreibend ist vielleicht das Ende. Zu den Lieblingsadjektiven von Rezensenten. ich finde es aber schade, dass er die Dichter für die Rezensentenmacken haftbar macht. Macken mit Stereotypen, von denen er auch nicht frei ist. „Machinengewehrfeuer“ ist so ein Topos der ja meist nicht stimmt. Vielleicht ist Opitz aber auch bloß zu den falschen Leuten zur lesung gegangen? Er möchte halt ja auch keinen Masochismus. Man kanns halt auch blöd finden ohne es zu kennen.
      Lieber Christian: Und wie stehts mit Handapperat Hesslach? Ich kenne kaum Gedichte, in denen mir wirklich Wirklichkeit begegnet. Mir begegnet auch in Deinen zunächst immer nur Sprache. Die Wiklichkeit ist unter Diskursen verschüttet. Je geläufiger der Wirklichkeitsworte, desto wirklicher scheint es manchen vorzukommen, was da im gedicht vorkommt. Ich glaube aber: Das ist ein Missverständnis.

      Liken

  14. Ulf Stolterfoht war einer meiner Lyrikdozenten in Leipzig, wir haben Bier getrunken, uns gut unterhalten, warum ich seine Gedichte nicht mag, beschreibt Hellmuth Opitz treffend (wenngleich polemisch, aber das ist ja auf der Lyrikzeitung kein Verbrechen). Nach der x-ten langzeiligen Strophe des Stolterfohtschen Sprachspiels bin ich irgendwann nicht mehr sehr überrascht von dem, was in soundsovielen weiteren Strophen noch folgt. Ich wünsche mir dann mehr Weltmitteilung eines Dichters als Sprachkombinatorik, und greife nach einem Gedichtband wie „Tanzstunde auf See“, um ergriffen zu sein.

    Liken

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: