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Veröffentlicht am 4. April 2011 von lyrikzeitung
Wagners Australien wurde noch nie betreten, es ereignet sich nur hier, wo ein Häuptling spricht: «ich bin der letzte eines volkes, / allein mit der geschichte, einer sprache, / die mit ihm untergeht». Das Gedicht heisst «hononanz», und die Tante im Gedicht, die «das thema torte / in schmale kapitel teilt» fragt: «was heisst das denn? was ist das für ein wort?» Es ist eine Vokabel, die zwischen Assonanz und Homonym schillert (und damit zwei rhetorische Grundtechniken preisgibt), in dem das deutsche Wort Hohn sich mischt mit dem lateinischen honor, Ehre. Die Friedenspfeife des Häuptlings, «das kalumet // liegt kalt im schoss», während in Assonanzen und Alliterationen «das dorf noch immer qualmt» und mit jenem «qualmt» dann doch zurückbindet an «das kalumet», das «kalt» im Schoss liegt. Ein lautlicher Firnis schliesst die Oberfläche dieser traumhaft schönen Texte ab, ein Spiegelglanz aus Laut-Lichtern, wo auf dem Jahrmarkt, den die «frühen buchführer» besuchen, vielleicht nur deshalb «anis» ausliegt, weil die Silben das Wort «papier» vorbereiten. / Angelika Overath, NZZ 2.4.
Jan Wagner: Australien. Gedichte. Berlin-Verlag, Berlin 2010. 206 S., Fr. 27.90.
Kategorie: Deutsch, DeutschlandSchlagworte: Angelika Overath, Jan Wagner
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