24. Form gegen Lärm

In seinem zweiten Gedichtband, King Log (1968), begann Hill Zeichen von Größe zu zeigen. Man nehme nur seine Folge reimloser Sonette, „Funeral Music“. Im Angesicht der Schrecken der Nachfolgekriege des 15. Jahrhunderts stellt das Gedicht die Sonettform gegen den Schlachtenlärm:

. . . Recall the cold
Of Towton on Palm Sunday before dawn,
Wakefield, Tewkesbury: fastidious trumpets
Shrilling into the ruck; some trampled
Acres, parched, sodden or blanched by sleet,
Stuck with strange-postured dead. Recall the wind’s
Flurrying, darkness over the human mire.

… Die Schwächen der Poesie – ihre Grenzen – anzuerkennen ist Hills Stärke als Dichter. Daher eignet er sich in idelaer Weise als Kronzeuge gegen Adornos berühmtes Verdikt, daß es barbarisch sei, nach Auschwitz Gedichte zu schreiben. Tatsächlich widmen sich einige der stärksten Gedichte Hills dem Holocaust, wenn sie auch notwendigerweise zugleich auf sich selbst bezogen sind, ihres Status als Literatur eingedenk. Das achtzeilige Gedicht „Ovid im Dritten Reich“ endet:

I have learned one thing: not to look down
So much upon the damned. They, in their sphere,
Harmonise strangely with the divine
Love. I, in mine, celebrate the love-choir.

„Damned“ scheint sich auf die Nazis zu beziehen; aber vielleicht auch auf ihre Opfer – eine Zweideutigkeit, die die Wendung „look down“ sehr hervorhebt. (Ich stelle mir den Sprecher als Aufseher vor, der von einem Wachturm herunterschaut. … Man gewahrt einen Dichter, der zwischen zwei Bildern seiner Kunst hin- und hergerissen ist. Einerseits weiß er, das sich der Gegenstand künstlerischer Interpretation entzieht. Er kann es aber auch nicht lassen. „Die Last, die der Autor aushalten muß“, sagte Hill 1980 mit Bezug auf den Holocaust. / Richard King, The Australian über den neuen Oxford Professor of Poetry Geoffrey Hill

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