73. Generationswechsel

Wie die erste Ausgabe der Anthologie „Lyrik von Jetzt“ dokumentiert auch Nummer zwei einen Generationswechsel. Fünfzig überwiegend neue Beiträger, die um 1975 herum geboren wurden, wurden in Zeitschriften, Miniverlagen, Szenespielstätten und auf Lesebühnen entdeckt. Da jeder der Auserwählten mit vier Gedichten vertreten ist, lassen sich Eigenart und Repertoire ansatzweise erkennen. Der Anteil der reinen „Performer“ und Pop-Poeten, die sich vor Jahren noch das „coole“ Gedicht aus der Lunge röhrten, ist merklich reduziert. Was auf den ersten Blick wie ein editorisches Sammelsurium mit Chaospotenzial wirkt, präsentiert auf den zweiten die Vitalität und Vielfalt der Lyrikszene der heute Dreißig- bis Vierzigjährigen. …

Ob extrem absurde lyrische Ichs wie bei Ann Cotton [Cotten!], deren ungewöhnliche Sonette sich Suhrkamp gesichert hat, oder rüpelhaft-witzige Spaßvogel-Gesten wie bei Herbert Hindringer – langweilig ist es nirgends. „Lyrik von Jetzt“ widerlegt alle Aussagen über schwindende lyrische Subjektivität oder verlorenes Formbewusstsein der Jungen und belebt kräftig den Diskurs über zeitgemäßes Dichten. Im quicklebendigen Hexenkessel braut sich Neues anders als gedacht zusammen. / Dorothea von Törne, Die Welt 12.3.

LYRIK VON JETZT. ZWEI.
Hrsg. v. Björn Kuligk u. Jan Wagner. Berlin Verlag, Berlin. 288 S., 19,90 Euro.

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