55. Gerhard Rühm wird 80

Die Freundschaft mit dem Dichter Artmann führt zu ersten, vom Dadaismus beeinflussten Laut- und Wortgestaltungen, nach und nach gesellen sich Konrad Bayer, Jazzmusiker Oswald Wiener und Architekt Friedrich Achleitner zum Kreis der experimentellen Kunstproduzenten.

Als Dichtergruppe werden sie erst 1958 tituliert, die wichtigsten Gemeinschaftsarbeiten entstehen zwischen 1954 und 1960. Jenseits aller überkommenen Gattungsgrenzen entwickeln sie eine Poesie, in der Sprache von Inhalten befreit und auf ihre Materialität reduziert wird. Rühm geht es nicht nur um gesprochene und geschriebene Sprache, sondern auch um die visuelle Dimension: von der konkreten und konzeptionellen zur visuellen Poesie. Im Unterschied zu seinen Mitstreitern in der Wiener Gruppe interessiert sich Rühm für Theorie: Die literarischen wie aktionistischen Auftritte, die Lieder, Typocollagen und Fotomontagen stehen in der sprachkritischen Tradition von Fritz Mauthner oder des Neopositivismus eines Ernst Mach. / Gerhard Dorfi, Der Standard 4.2.

11 Comments on “55. Gerhard Rühm wird 80

  1. P.P.S. sorry, linkliste ist leider unsichtbar (habe ich technisch keinen einflußß drauf), bitte den 2.link IM MANIFEST benutZen, um zu den briefen (der zweite brief ist an stan addressiert gewesen, ewig lang ists her, ich schwelgte noch in naiver freude, während sich heutzutage nur noch ein hysterisches neuro-relikt meines verstorbenen dichter-alter-egos künstlich aufregt) zu gelangen:

    „(…) weder erhaben noch erfunden sondern / Der Feine Unterschied ZWISCHEN Den Silben / Der Sachen Der Sinne Der Seele Der Sprache (…)“

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  2. stan, von dir hätte ich einen kritischen kommentar erwartet, zumal die quantenlyrik-homepage noch immer auf deinen essays wartet 🙂

    BZGL DES FOLGENDEN ZITATS AUS DEM TICKER:
    „Poesie, in der Sprache von Inhalten befreit und auf ihre Materialität reduziert“

    DARF ICH MICH ANSATZWEISE WIEDERHOLEN:
    die jungs hätten das vielleicht gern so gehabt und lassen sich mit dieser mißglückten, aber gut vertuschten ansicht feiern – nichtsdestotrotz ist es schlichtweg FALSCH: die texte waren zwar visuell inspiriert, aber KEINESFALLS „von inhalten befreit“ (sprich: ASSOZIATIONSFREI!), das ist einfach nur bullshit, den ein journalist irgendwo abgeschrieben hat, ohne selbst kOMpetent zu sein. ich fang jetzt nicht schon wieder an, zum beweis tausend andere zu zitieren, allmählich sollt da mal der doktore gratz persönlich ran. denn die lyrikzeitung steht auch für ABSOLUTE wahrheit, nicht nur für HISTORISCH orwellsche werbung für wahrheitswünsche… oder soll man in den uni-seminaren auch diese märchen weiterreichen? viel spannender wäre darüber zu erzählen, mit welcher MENSCHLICHEN SEHNSUCHT, JA OFTMALS BESESSENHEIT DIE SUCHE NACH NEUEN FORMEN vonstatten geht, also die seelische komponente, etwas ECHTES, greifbares, anstatt des wichtigtuerischen blabla. RÜHM OHNE RUHM WÄRE EHRLICHER !!! hoch lebe die quantenlyrik! hoch hoch hoch!!! dada war kein holzpferd sondern ein zu eng geschnürter kinderschuh! und die konkreten äpfel waren nur mit taucheranzügen getarnte surrealistische pfeifen! hoch lebe das quantendeutsch! endlich sind die lügen überwunden! endlich hat das schweigen eine stimme! wir warten auf das orchester – und wir warten notfalls EINIGE jahrhunderte!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

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    • Lieber Tom,
      danke für die Interpretation der Äpfel, Steckenpferde etc. der ich vollinhaltlich zustimme. Obwohl ich mich wundere, daß du Gomringers Loch („schweigen“) nicht enthusiastisch begrüßt. Ist doch so, daß das Schweigen, das wirkliche, in der ganzen Literatur vor G. (Celan eingerechnet, dem die Germanisten ein Balancieren „am Rand des Verstummens“ attestierten) überhaupt nicht vorgekommen war. Außer vielleicht an einigen Rändern, so auch bei Morgenstern. Für die germanistischen Kommentare können die Autoren ja nichts.
      Auf einen Teil deines Kommentars möchte ich ansatzweise antworten, zwar im Zitat, aber deshalb nicht minder herzlich:
      Ernst Jandl:

      jo brauch ma dn de germanistn?
      jo de brauch ma, du suamm.
      waun de ned umgromm und umgromm und umgromm duan
      daun is füü, wos ma gschriamm hom, fiar olle zeit geschduamm

      (suamm: surm, tölpel)

      Ja, und das sollen sie dann tun, umgromm, und das andere den Schwätzern überlassen, gell?

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      • ups, hab deinen kommentar vorhin gar nicht gesehen, obwohl meine weiteren erst darunter erscheinen! merci fürs schnelle reagieren! ich gestehe, gOMringers loch ist mir grade überhaupt nicht aufm schirm, so ein schrott, ach manno, wahrscheinlich kenn ichs und habs voll vergessen. ich hasse mein schlechtes gedächnis!!! also, jetzt muß ich wohl recherchieren, wenn du sein loch hier nicht anfügst, was du wegen copyright nciht darfst, oder? jedenfalls MUSS er ja ein löchriges schweigen entdeckt haben, denn in seinem namen wohnt das om 🙂 den jndl krieg ich bei aller liebe nicht gelesen, mist. ich bin superschlecht in dialekten. habs jetzt mehrmals LAUT rezitiert und das klingt bei mir total peinlich und ich raffs nicht (ehrlich!) – bitte bitte mach ne übersetzung vom deutschen ins deutsche. geht das auf die schnelle???

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      • ja brauchen wir denn die germanisten?
        ja, die brauchen wir, du surm
        wenn die nicht umgrabn und umgrabn und umgrabn tun
        dann ist vieles, was wir geschriebn habn, für alle zeit gestorbn.

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      • danke!!! das wort „VIELES“ wirkt ja beinahe niedlich bei all dem zynismuß… allerdings geht ja meine kritik an die dumpfbacken-abschreiber-JOURNALISTEN/REZENSENTEN. seitdem ich dich, michael, kenne, glaube ich wieder an die germanistik 🙂 ach, den Johannes Ullmaier nicht zu vergessen, aber der is ja eh ein alter sandkasten-kumpel…

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      • „Konkrete Gedichte eignen sich selten zum mündlichen Vortrag und zur auditiven Rezeption. Stattdessen sollen sie gelesen und angesehen werden.“ (Christoph Schamm)

        DAS war mir bis jetzt gar nicht so bewußt als unterschied zur quantenlyrik, denn DIE ist ja sowohl ein optisches ALS AUCH ein akustisches spiel! über die jahre werde ich immer wieder gefragt, wie man die quantisilben denn bitteschön sprechen soll und der aha-effekt ist jedesmal wieder lustig, wenn ich dann erkläre, daß diese „zwischensilben“ ja keine erfindungen sondern nur FUNDSTÜCKE im bereits sprechbaren wort SIND, nur daß wir normalerweise über die nahtstellen hinwegflutschen. das ISOLIERTE sprechen außerhalb des wortverbundes ist ja gerade die logopädische anforderung! und es macht ja einfach auch spaß 🙂 oder nicht? oooooder niiiiicht!!!!! hahahahahaha :-))))) übrigens steht die zahl 14 (x goms schweigen) im tarot für „kunst & ausgleich“, wenn ich mich richtig erinnere. ein alter künstlerfreund von mir war vor 20 jahren total besessen im abgleich von zufällen mit allen möglichen schrägen esoterischen system. inzwischen irrt er leider im winter barfuß durch die straßen mit einem bart wie medusalem (medusalem? = „sahst du mich, Lem?“): hängen geblieben nach zu viel LSD-konsum und einer erdbeben-prophezeiung, die tatsächlich eintrat…

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