79. Neruda-Ausgabe

Als der Nobelpreisträger 1973 starb, gehörte sein Werk schon zum poetischen Kanon des 20. Jahrhunderts. In deutscher Übersetzung wurde dieses Werk zuerst in der DDR gepflegt. Im Westen gab es Mitte der Achtziger eine repräsentative Auswahl bei Luchterhand, drei Bände stark; sie ist längst vergriffen.

Jetzt hat der Verlag die verschwundene Ausgabe in erweiterter Form noch einmal publiziert. Beide Editionen enthalten alle großen Zyklen des Meisters, auch viele Texte aus dem Nachlass. Nun stehen die Sammlungen wieder im Zusammenhang: »Aufenthalt auf Erden«, »Spanien im Herzen« (»Kommt, seht das Blut in den Straßen«), »Der Große Gesang«, »Elementare Oden«, dazu »Zwanzig Liebesgedichte und ein Lied der Verzweiflung«, ein Frühwerk (von 1924), das bis heute zu dem meistgelesenen Lyrikbänden überhaupt gehört.

Hinzugekommen sind drei Zyklen, die erst in den Neunzigern entdeckt wurden. Auf Deutsch erschienen sie bislang in Einzelausgaben: das recht schwülstige Pennäleropus »Ballade von den blauen Fenstern«, dazu »Hungrig bin ich, will Deinen Mund« (aus dem Jahr 1959) sowie »Mare moto« (1970), als »Beben des Meeres« 1991 von einem Unbekannten mit dem Pseudonym »Tias« in einem Kleinverlag publiziert. Der Leser findet nützliche Zusätze – eine Chronologie zu Leben und Werk, umfangreiche Anmerkungen sowie ein Verzeichnis der Original-Quellen und der Übersetzer.

Die Publikation hat etliche Besonderheiten, aber manche wird der Leser nicht entdecken. Von Luchterhand erfährt man: Anliegen des Verlages war es – damals wie heute –, die verstreuten Übersetzungen zu bündeln. Eine anerkennenswerte Mission. Die Vielfalt der (deutschen) Stimmen ist nun Vor- und Nachteil zugleich. Viele Übertragungen stammen aus DDR-Büchern: Texte von Erich Arendt, Stephan Hermlin, Fritz Rudolf Fries. Sie wurden für die Neuauflage nicht revidiert. (Arendts Arbeiten, von Neruda autorisiert, gelten als sakrosankt.)

Weiter: Die drei Bände zeigen nicht alle in spanischen Sammlungen enthaltenen Neruda-Poeme. (Aber welche Gedichte fehlen? Und warum?) Die Auswahl ist mithin keine kritische Edition, sondern eine Leseausgabe. Ein Vor- oder Nachwort wäre in Hinsicht auf die Eigenarten hilfreich gewesen; schade, es gibt nicht einmal eine editorische Notiz. / Uwe Stolzmann, ND 18.1.

Pablo Neruda: Die Gedichte. Band 1-3. Übersetzt von Fritz Rudolf Fries, Erich Arendt, Katja Hayek-Arendt, Stephan Hermlin, Fritz Vogelgsang, Monika López. Luchterhand Literaturverlag. 2922 S., brosch., 49,95 €.

Als der Nobelpreisträger 1973 starb, gehörte sein Werk schon zum poetischen Kanon des 20. Jahrhunderts. In deutscher Übersetzung wurde dieses Werk zuerst in der DDR gepflegt. Im Westen gab es Mitte der Achtziger eine repräsentative Auswahl bei Luchterhand, drei Bände stark; sie ist längst vergriffen.

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Jetzt hat der Verlag die verschwundene Ausgabe in erweiterter Form noch einmal publiziert. Beide Editionen enthalten alle großen Zyklen des Meisters, auch viele Texte aus dem Nachlass. Nun stehen die Sammlungen wieder im Zusammenhang: »Aufenthalt auf Erden«, »Spanien im Herzen« (»Kommt, seht das Blut in den Straßen«), »Der Große Gesang«, »Elementare Oden«, dazu »Zwanzig Liebesgedichte und ein Lied der Verzweiflung«, ein Frühwerk (von 1924), das bis heute zu dem meistgelesenen Lyrikbänden überhaupt gehört.

Hinzugekommen sind drei Zyklen, die erst in den Neunzigern entdeckt wurden. Auf Deutsch erschienen sie bislang in Einzelausgaben: das recht schwülstige Pennäleropus »Ballade von den blauen Fenstern«, dazu »Hungrig bin ich, will Deinen Mund« (aus dem Jahr 1959) sowie »Mare moto« (1970), als »Beben des Meeres« 1991 von einem Unbekannten mit dem Pseudonym »Tias« in einem Kleinverlag publiziert. Der Leser findet nützliche Zusätze – eine Chronologie zu Leben und Werk, umfangreiche Anmerkungen sowie ein Verzeichnis der Original-Quellen und der Übersetzer.

Die Publikation hat etliche Besonderheiten, aber manche wird der Leser nicht entdecken. Von Luchterhand erfährt man: Anliegen des Verlages war es – damals wie heute –, die verstreuten Übersetzungen zu bündeln. Eine anerkennenswerte Mission. Die Vielfalt der (deutschen) Stimmen ist nun Vor- und Nachteil zugleich. Viele Übertragungen stammen aus DDR-Büchern: Texte von Erich Arendt, Stephan Hermlin, Fritz Rudolf Fries. Sie wurden für die Neuauflage nicht revidiert. (Arendts Arbeiten, von Neruda autorisiert, gelten als sakrosankt.)

Weiter: Die drei Bände zeigen nicht alle in spanischen Sammlungen enthaltenen Neruda-Poeme. (Aber welche Gedichte fehlen? Und warum?) Die Auswahl ist mithin keine kritische Edition, sondern eine Leseausgabe. Ein Vor- oder Nachwort wäre in Hinsicht auf die Eigenarten hilfreich gewesen; schade, es gibt nicht einmal eine editorische Notiz.

2 Comments on “79. Neruda-Ausgabe

  1. »Mare moto« (1970), als »Beben des Meeres« 1991 von einem Unbekannten mit dem Pseudonym »Tias« in einem Kleinverlag publiziert.. Tias ist das Pseudonym von Mathias Weber, Berufskundler und Schriftsteller, Nürnberg. Maremoto. Beben des Meeres Tias. (Herausgeber), Carin Oldfelt Hjertonsson (Illustrator/-in), Pablo Neruda (Autor)DA, Verlag Das Andere, 2000 [gebunden] – sehr schönes hochwertiges Buch

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  2. an und für sich eine gute Sache … aber was wirklich fehlt ist eine zweisprachige Ausgabe. Auch eine Neuübersetzung vielleicht … ganz nebenbei: als ich bei Weiland nachfragte, ob Sie die Bände aus der Umhüllung nehmen könnten, damit ich sehen könnte, wer die Gedichte übersetzt habe – es gelang der Weiland-Mitarbeiterin nicht, die entsprechende Information in der Datenbank zu finden – hieß es: nein, der nächste käme dann und wolle die Bücher billiger, weil sie nicht mehr im Originalzustand seien.
    Ja. Lyrik bedeutet nichts als eine Gewinnspanne, wenn überhaupt.

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