56. Sonett vo de Müntschi

Natürlich: Am gefälligsten sind Fritz Widmers Gedichte, wenn er sie singt. Den «Wintersamschtig» auf dem Berner Märit, das «Sonett vo de Müntschi» mit der wunderbaren Quintessenz, dass «es Müntschi e Bsuech vo eir Seel biren andre isch», die «Schärischlyferballade» über den verträumten Vaganten, den Widmer aus Skandinavien auf den Weg «über Langete gäge Buchsi» verpflanzt hat. Dann nimmt man mit Freuden wahr, was für ein begabter und liebenswerter Liedermacher dieser Berner Troubadour und Freund von Mani Matter doch ist. …

So nahe einem Widmers eigene, die ihm vertraute Welt und persönliche Lebenserfahrung spiegelnden Gedichte gehen: Seine Virtuosität in der Verwendung des Berner Dialekts zeigt sich am anschaulichsten in den Übersetzungen aus anderen Sprachen und aus dem Hochdeutschen, von denen der Band eine ganze Reihe enthält. Wenn er Lars Gustafssons Elegie über verlorene Gegenstände auf den Bauernhof seiner Eltern verlegt, wenn er aus Shakespeares 71. Sonett eine erschütternde berndeutsche Totenelegie macht, oder wenn er «Fin ch’han dal vino», die Arie des Don Giovanni aus Mozarts gleichnamiger Oper, in ein wunderbar pfiffiges Berndeutsch überträgt:

«Feschte u lache,
suufe u singe,
heiss wärde d Gringe
vo all däm Wy.

Nume nid lugg la,
Meitli hät’s gnue da,
nume nid zaagge,
göht se ga fa.»

Friz Widmer: Wo geit das hi, wo me vergisst? Mundarttexte. Cosmos Verlag, Muri bei Bern 2009. 128 Seiten. Fr. 29.–.

/ Der Bund 8.12.

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