036. Gelsenkirchner Lyrik

Gelsenkirchen und Lyrik? Meine Datenbank kennt 16 Lyriker, die mit der Stadt im Ruhrgebiet in Verbindung standen. Niklas Becker ist hier gestorben, von dem das früher populäre Anti-Franzen-Lied vom deutschen Rhein stammt:

Sie sollen ihn nicht haben
den freien deutschen Rhein
ob sie wie gierige Raben
sich heiser danach schrein

Nunja, nicht für jedermann ein Ausweis für lyrische Qualität. Es gibt sozusagen traditionelle Gelsenkirchnersch-pommersche Literaturbeziehungen. Erich Colberg (nomen est omen) wurde in Gelsenkirchen geboren, kam aber im zweiten Lebensjahr nach Pommern: Er war Volksschullehrer in Anklam und Stettin-Altdamm und schrieb Jugend- u. Volksspiele, was immer das ist. Umgekehrt bei Kurt Küther, er wurde 1929 in Stettin geboren, die Geschichte wehte ihn ins Rhein-Ruhr-Land. Er war Mitglied der Dortmunder Gruppe 61. In Gelsenkirchen wurde er 1970 Mitglied der literarischen Werkstatt Hugo Ernst Käufers, der aus Witten/Ruhr stammt und ein wichtiger Förderer der Literatur der Arbeitswelt war. Aber es gibt auch andere literarische Richtungen dortselbst. Jürgen Völkert-Marten ist dort geboren, und Peter Huckauf, geboren 1940 in Bad Liebenwerda, verbrachte seine Jugend in Gelsenkirchen, bevor er 1964 nach Berlin-West ging. Peter Huckauf ist ein liebenswerter und unterschätzter Autor, dem ich sofort einen Literaturpreis geben würde, wenn ich einen zu vergeben hätte. Ein Schalksnarr, Wortfex, auch einer aus der deutschen Chlebnikowschtschiana (wenn es das Wort noch nicht geben sollte, spendiere ich es hiermit). 1990 ging ich ab Januar regelmäßig zum Lesen in die Staatsbibliothek-West und ab der Währungsunion ebenso regelmäßig in die Autorenbuchhandlung am Savignyplatz, wo es in Grabbelkisten selbstedierte Hefte und Büchlein von ihm gab. Wo gibts das noch hierzuerd?
Heute lese ich bei westen.de (WAZ):

Im August 1974 startete die Ückendorferin Irmgard Stein ihre „Edition Xylos“. Seither entstehen in ihrem kleinen Büro Hefte und Bücher an einer Andruckpresse aus den 50er Jahren. Für viele Gelsenkirchener Lyriker war ihr Verlag ein erstes Sprungbrett.
35 Jahre alt wird die „Edition Xylos” in diesen Tagen – und Herausgeberin Irmgard Stein ist stolz auf ihren „Ein-Frau-Verlag”, der am 23. August 1974 an den Start ging und seit 1983 an der Bergmannstraße in Ückendorf zu finden ist.
Über 250 Bücher und zahlreiche Hefteditionen entstanden hier im Laufe der Jahre in Handarbeit. Kräftige Unterstützung erhielt die Herausgeberin dabei natürlich von ihrem Mann, dem Künstler Heinz Stein, dessen Holzschnitte viele der Druckerzeugnisse aus dem Hause illustrieren. „Xylos ist griechisch und bedeutet Holz. Dieser Name lag nahe, weil wir uns auf die Fahnen geschrieben hatten, keine Veröffentlichung ohne Holzschnitt herauszugeben”, erklärt Irmgard Stein.
Die geschnitzte Druckkunst gepaart mit Lyrik, Wortspielen und Geschichten: Das hob die „Edition Xylos” aus dem Wust von Presseerzeugnissen heraus. Von Ückendorf aus setzte der Verlag mit eigener Andruckpresse und historischer Schneidemaschine nicht nur bekannte Künstler wie Helmut Andreas Paul (HAP) Grieshaber, Alfred Pohl und Otto Pankok in Szene – hier erhielten auch junge Gelsenkirchener Künstler wie Michael Klaus, Werner Ryschawy, Heinz-Albert Heindrichs und Jürgen Völkert-Marten die Gelegenheit, ihre Werke zu veröffentlichen.

Mit Gelsenkirchen verbundene Lyriker bei L&Poe:

Josef Büscher (1918)

2009    Mai    #101.    Arbeiterdichter

Hugo Ernst Käufer (1927)

2007    Dez    #33.    Breuers Schneisen im LiteratUrwald
2009    Mai    #101.    Arbeiterdichter

Kurt Küther (1929)

2009    Mai    #101.    Arbeiterdichter

Peter Huckauf (1940)

2002    Mrz    #    Lyrik in ausgewählten Zeitschriften
2003    Mai    #    Soeben erschienen:
2008    Feb    #53.    Buchpremiere »Mitlesebuch 66   Peter Huckauf«
2008    Dez    #78.    Meine Nachlese

Jürgen Völkert-Marten (1949)

2007    Sep    #49.    Poesie Agenda 2008
2007    Dez    #21.    „FINALE“ der „TAGE DER POESIE“
2008    Feb    #43.    Über Länder und Zeiten hinweg wie ein Flackern
2008    Nov    #33.    Lesung zum Deutschen Lyrikkalender 2009
2009    Mai    #109.    Happy Birthday, Bundesrepublik (und JVM)

Greta Granderath (1985 od. 86?)

2008    Jan    #104.    (Forts.)
2008    Mrz    #9.    HEUTE IST MORGEN
2008    Mrz    #108.    Dichtes Gerede – Treffen junger AutorInnen zur Poetik
2008    Apr    #67.    Abendprogramm „Dichtes Gerede“

2 Comments on “036. Gelsenkirchner Lyrik

  1. Aber natürlich ist GE Bestandteil der Lyrikweltkarte, nicht ganz so weit oben wie derzeit Magaths S04, aber auch nicht unbeachtlich.
    Weitere Namen in Bezug yuf Lyrik:
    Michael Klaus: Leider vor einem Jahr verstorben, genialer Wortschrat im Bereich Satire: FAZ, Rowohlt, Filme, Schimanski-Drehbücher und natürlich auch Lyrik!
    Klaus-Peter Wolf: Autor mit Millionenauflage, lebt mittlerweile in Norden. Auch Lyrik veröffentlicht: Natürlich!
    Heinz-Albert Heindrichs: Gerade erscheint sein Gesamtwerk im Rimbaud-Verlag: längst verdiente Ehre.

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    • Lieber JVM, Dank für die Ergänzung. Klaus ist einer der 16 in meiner Datenbank – die Todesnachricht hat mich nicht erreicht, sonst hätt ichs vermeldet. Wolf hab ich auch, aber ohne Gelsenkirchenbezug – bisher also. Heindrichs: danke für den Hinweis!

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