86. Olga Sedakova beim Poesiefestival Berlin

Viele ihrer Gedichte hat die bekennende orthodoxe Christin Olga Sedakova in einem Holzhaus in Azarowka, zwei Stunden südlich von Moskau, geschrieben, in das sie sich zum Arbeiten gern zurückzieht. Seit dem Zerfall der Sowjetunion ist sie lesend, vortragend und unterrichtend aber auch viel auf Reisen, ein gern gesehener Gast an Universitäten und bei westeuropäischen Festivals. Ihren prominentesten Bewunderer fand sie allerdings in dem selbst Gedichte schreibenden Papst Johannes Paul II., der sie ingesamt vier Mal empfing und ihre Gedichte im russischen Original las. Nichts anderes als die Form führt für Sedakova ins „Zentrum der Welt“, denn um „Einverleibung“, um Zugehörigkeit geht es ihr. Ein kathartisches Moment durchzieht die meisten ihrer Gedichte, aber nicht im Sinne von Handlungsanweisungen, die Dichtung ohnehin nicht geben kann, sondern von der Sprache selbst ausgehend. Was Olga Sedakova anstrebt, ist eine „intime Verbindung mit der Form“: ihr Wirken, das im besten Falle auch den Leser ihrer Gedichte verwandelt zurücklässt. „Ein Dichter will, was jeder wollen will“, beginnt eines ihrer Gedichte, das am Ende vom „Nichts“ zum „Laut“ hinführt. Das Nichts ist hier nicht still und leer, sondern eines, auf dessen „Speeresspitze alles zirpt. // Und wenn mit flüchtigem Blick dorthin man schaut, / ist, wie die Träne, Zufall selbst der Laut.“ Am Sonnabend, 27. Juni, liest Olga Sedakova zusammen mit Rita Dove (USA), Julián Herbert (Mexiko), Kgafela oa Magogodi (Südafrika), Bernard Noel (Frankreich), Maja Ratkje (Norwegen), Adam Wiedemann (Polen), Barbara Köhler und Adolf Endler um 20 Uhr bei „Weltklang – Nacht der Poesie“ in der Akademie der Künste am Hanseatenweg. Im Eintrittspreis von 8/5 € ist eine Anthologie mit allen Texten enthalten. Am 29. Juni, 18.30 Uhr führt Sedakova mit Anja Utler in der Akademie ein „Poesiegespräch“. / Tagesspiegel 26.6.

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