52. Die Freundschaft

In dem dunklen Meisterstück „Summertime in England“ schmachtet Van Morrison: „Hast du je von Wordsworth und Coleridge gehört, Baby?“ Aber im Radio hört man heute von ihm nur „Brown Eyed Girl“, weshalb nur Kenner wissen, daß „Van the Man“ sich von den Schriften von John Donne, William Blake, James Joyce, William Butler Yeats, T.S. Eliot, William Wordsworth oder Samuel Taylor Coleridge inspirieren läßt.

Der Biograph Adam Sisman scheint zu verstehen, daß es manche Persönlichkeiten der 60er Jahre dem modernen Leser leichter machen würden, diese beiden entfernten Figuren zu verstehen. Zu Beginn seines Buches betont er, daß Wordsworth und Coleridge „als Paar legendär wurden, wie Boswell und Johnson oder Lennon und McCartney“, und ihre Zeit beschreibt er als „kulturelle Revolution“.

Sisman geht das Wagnis ein, sich auf die kurze Zeit zu konzentrieren, als Wordsworth und Coleridge, damals in ihren Zwanzigerjahren, nahe Nachbarn bei Bristol waren und manchmal am selben Tisch saßen und schrieben und einander ihre Zeilen vorlasen. Zeilen, die der eine erdacht hatte, tauchten in Gedichten auf, die dem anderen zugeschrieben wurden. Das Schreiben ging ihnen so flüssig von der Hand, daß sie sich scherzhaft „der Konzern“ nannten, eine „kommerzielle Manufaktur“ zur Produktion von Versen. / Jonathan Kirsch, Los Angeles Times 11.2.2007

The Friendship: Wordsworth & Coleridge
Adam Sisman
Viking: 512 pp., $27.95

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