Raebers Verwandlungen

Das poetologische Grundprinzip all dieser unentwegten Verwandlungen fand Raeber früh in Ovids „Metamorphosen“. Ein ausgedehnter Italien-Aufenthalt – in den Jahren 1951 und 1952 leitete Raeber die Schweizer Schule in Rom – vermittelte ihm die unmittelbare Anschauung der mediterranen Lebenswelt, die er seitdem in seinen Gedichten beschrieb. Im poetischen Kosmos des Bandes „Die verwandelten Schiffe“ (1957) vollziehen sich vor der Kulisse des sonnenbestrahlten Mittelmeers erstaunliche Umwandlungen: Fischer werden zu Fischen, nachdem sie das Kraut gekaut haben, „das nach dem Wasser weckt die wilde Sucht“. Das titelgebende Gedicht beschreibt die von Vergil in der „Aeneis“ geschilderte wundersame Verwandlung von Schiffen im Angesicht ihrer Verfolger: „Da tauchen, da schwinden die Segel, / da sinken die Schiffe im Schaum, / und Schwimmerinnen für Schiffe / steigen herauf.“ Stets vollziehen sich diese Verwandlungen mit großer Selbstverständlichkeit; das Wunderbare wird Teil des vertrauten Alltags. / Sabine Doering, FAZ 8.1.04

Kuno Raeber: „Werke in 5 Bänden“. Hrsg. von Christine Wyrwa und Matthias Klein. Bd. 1: „Lyrik“. 464 S. – Bd. 2: „Erzählende Prosa“. 518 S. – Bd. 3: „Romane und Dramen“. 526 S. Nagel & Kimche im Carl Hanser Verlag, München/Wien 2002 und 2003. Geb., jeweils 29,90 [Euro].

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