Dichter im Kneipentritt

Er war so etwas wie der Heimatdichter der Obdachlosen: Günter Bruno Fuchs. Vollzeitpoet und um die Häuser ziehender Ganztagstrinker, ein dicker Mann aus Berlin-Kreuzberg, wo er 1977 mit nur achtundvierzig Jahren an den Folgen seines bacchantischen Lebenswandels starb. Seine Arbeit, seine ganze Kunst war ja ein poetischer Prozess, den er der Nüchternheit machte, ein friedlicher Angriff auf eine verbreitete Verzichtsmentalität: Verzicht auf Freiheit, auf Schönheit, auf Leben zugunsten einer schicken Beamtenlaufbahn etwa oder sonstiger geordneter Verhältnisse.

Schreibt Gabriele Killert und zitiert zu meiner Freude ein Gedicht, von dem mir ein paar Zeilen im Gedächtnis hängen:

Gestern

Jestern / kam eena klingeln / von Tür zu / Tür. Hat nuscht / jesagt. Kein / Ton. Hat so schräg / sein Kopf / jehalten, war / still. Hat nuscht / jesagt, / als wenn der / von jestern / war / und nur mal / rinnkieken wollte, / wies sich so / lebt.

/  NZZ 2.11.2002

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