Kategorie: Biafra
78. Chinua Achebe gestorben
Man nannte ihn den Vater der modernen afrikanischen Literatur: In Romanen, Essays und Gedichten befasste sich der Schriftsteller mit dem Leben in Afrika – und dem Bild, das sich Europäer und US-Amerikaner davon machen. 2002 wurde Achebe mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet. In der Begründung würdigte ihn die Jury als eine “der kräftigsten und zugleich subtilsten Stimmen Afrikas in der Literatur des 20. Jahrhunderts”.
Chinua Achebe wurde 1930 in Ogidi im Osten Nigerias geboren. Nach dem Studium arbeitete er beim Rundfunk Nigerias, wo er 1961 zum Direktor des Auslandsdienstes “Voice of Nigeria” ernannt wurde. (…)
1966 legte Achebe nach den Massakern am nigerianischen Volk der Igbo sein Amt beim Rundfunk nieder. Als Sonderbotschafter der separatistischen Republik Biafra warb er während des Biafra-Krieges (1967-70), der über eine Million Menschen das Leben kostete, um Unterstützung für den Freiheitskampf. Nach dem Krieg lehrte er an Universitäten in Nigeria und den USA.
(…) Wie sein Agent mitteilte, ist Chinua Achebe nun in den USA gestorben. Er wurde 82 Jahre alt. / Spiegel
93. Zuhören
Zum 80. Geburtstag des nigerianischen Schriftstellers Chinua Achebe schreibt Volker Breidecker:
Auf ‘Things fall apart’ folgten vier weitere Romane, Kurzgeschichten, Kinderbücher sowie Essays, deren berühmtester den inhärenten Rassismus von Joseph Conrads kanonischem Afrikaroman ‘Herz der Finsternis’ sezierte. Nur während des grausamen Bürgerkriegs in seinem Land um die abgefallene Provinz Biafra (1967-70) verstummte der Prosaautor, an dessen Stelle der Lyriker aber einen großen Korpus von Gedichten schuf. Achebes Verhältnis zu Nigeria war und bleibt problematisch. Gegenüber der moralischen Verkommenheit der Eliten seines Heimatlandes fand er stets deutliche Worte. Als er im Jahr 2002 mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels geehrt wurde, sagte er in seiner Dankesrede, die Auszeichnung habe ihm das Leben gerettet. …
Europa und Afrika? Die ‘Tatsache, dass es da zwei gibt und nicht bloß eines’, sagt Achebe zum Lobe der Diversität, sei doch eigentlich ‘äußerst produktiv’. ‘Nur zu zweit kann man ein Gespräch führen.’ Da wäre es an der Zeit, einander zuzuhören. / SZ 16.11.