Kategorie: Deutsch

Zusammenfügen von Teilen

Auf ihrer poetologischen Ebene handeln Böhmers Gedichte von der ständigen Abgleichung von Höhen und Tiefen. Es „dringen Bilder durch uns, glänzend, erhaben, idiotisch“. Er sortiert sein Material nicht. Das „Zusammenfügen von Teilen“ ist daher keine mechanische Tätigkeit, sondern verspricht eine Grenzüberschreitung. Durch die andauernde… Continue Reading „Zusammenfügen von Teilen“

Der Gratgang

Nein, Emily Dickinson musste allein für sich bleiben, und ebenso Annette von Droste-Hülshoff in der zugigen Burg ohne Fensterscheiben, die ihrem Schwager gehörte. Und auch Sylvia Plath musste die symbolische Ordnung der Autonomie einer verlassenen Mutter zweier kleiner Kinder wiederherstellen, indem sie den Kopf… Continue Reading „Der Gratgang“

Das Singen der Lavant

… wurde von Gedicht zu Gedicht lauter, bis es 1962 herrisch tönte: „Fragt nicht, was die Nacht durchschneidet, / denn es ist ja meine Nacht / und mein großer Pfauenschrei / und ganz innen drin die Zunge / mit der Botschaft nur für mich.“… Continue Reading „Das Singen der Lavant“

„Pöbel mal, Lyriker!“

Aus ‭Bertram Reineckes Essay in dem in Kürze erscheinenden Band „Mara Genschel Material“ „Ich habe noch nie einen bedeutenden Lyriker getroffen, der nicht sehr umgänglich war“, sagt mir ein nicht nur bedeutender Lyriker [1], sondern auch einer, den ich selbst schätze. Und in der… Continue Reading „„Pöbel mal, Lyriker!““

Poetopie

über dem Straßencafé schwirrt eine Drohne – schaut mir von oben in die halb ausgetrunkene Kaffeetasse Hansjürgen Bulkowski

109. „Der große Conrady“ wird verramscht

Ein Kommentar von Axel Kutsch „Der große Conrady – Das Buch deutscher Gedichte“ ist unter die Räder einer kaltschnäuzigen Verlagspolitik geraten. Die Reste dieses Standardwerks mit einer Gesamtauflage von rund 180 000 Exemplaren seit der ersten Ausgabe im Jahr 1977 werden verramscht, wie das… Continue Reading „109. „Der große Conrady“ wird verramscht“

108. Ein Brief

Peter Gosse schreibt in der Zeitung Neues Deutschland über das Heft „Gedichte von Welt“ der von Ralf Grüneberger herausgegebenen Heftreihe „Poesiealbum neu“, „Sich mischender Klang“, Feuilleton ND 26.2.15. Zitat: Flaggschiff dieser Poeten-Sozietät ist „Poesiealbum-neu“ … erfrischende Konkurrenz zum „Poesiealbum“ aus Wilhelmshorst … Klaus-Peter Anders, Herausgeber des… Continue Reading „108. Ein Brief“

107. Albert Giraud

Wer kennt nicht den irrlichternden, mondsüchtigen Pierrot mit dem maskenhaft weißen Gesicht? Der belgische Dichter Albert Giraud ließ sich zu Poesien rund um diese entrückte Clownsfigur der Commedia dell’arte inspirieren – und verlieh der Figur eine gewisse Dosis Dekadenz. Die Übersetzung ins Deutsche besorgte… Continue Reading „107. Albert Giraud“

105. Dieter Kühn

Der bekannte Dürener Schriftsteller Dieter Kühn wird in diesem Jahr 80 Jahre alt. Aus diesem Anlass planen Henner Schmidt und Oliver Mark als Veranstalter der Konzertreihe Planet Jazz eine Wort-Musik-Kollage, in der Gedichte von Dieter Kühn mit Jazzmusik verbunden werden. 1982 veröffentlichte Kühn einen… Continue Reading „105. Dieter Kühn“

103. Chris Bezzel (1937-2015)

Wie ich erst jetzt erfahre, starb der Schriftsteller und Sprachwissenschaftler Chris Bezzel am 3. Februar in Hannover. Hans Thill nimmt ein Gedicht in eine Bezzel gewidmete Stele im Poetenladen: Chris Bezzel (Wetzhausen 1937 – Hannover 2015) das ist das letzte wort der philosophie: fick… Continue Reading „103. Chris Bezzel (1937-2015)“

101. Epoche der Weltliteratur?

Ein Zwischenruf nach 200 Jahren von Raoul Schrott: „Von den Ausländern hat man bestenfalls einen Pound hinter einer Vitrine im Wohnzimmer; die Weinflecken darauf aber rühren meist vom Vorbesitzer her. Sprachen, selbst noch lebende europäische, sind kein Thema: Französisch, Italienisch, Spanisch kennt man vom… Continue Reading „101. Epoche der Weltliteratur?“

99. Nachlaß eines Kindes

In der Siebenbürgischen Zeitung ein Gedicht der jungen Maja Kaiser, die 1945 als 17-Jährige aus Siebenbürgen in die Sowjetunion deportiert wurde und bereits 1947 starb. Sie hatte nicht viel Zeit, sich zu entwickeln. Das Gedicht steht in dem von Ange Stracke herausgegebenen Band „Aus dem Nachlass eines Kindes.… Continue Reading „99. Nachlaß eines Kindes“

98. Gespräch

Dichter: Man sitzt nicht da und denkt: Schreibe ich nun über Prosa oder Lyrik?“, sagt er. Es sei eine nicht erklärende Unbedingtheit, die einem dazu verleite, Gedichte zu schreiben. „Das ist im Grunde unerklärbar.“ Sender: Während der Wehrdienstzeit bei der nationalen Volksarmee schrieb der… Continue Reading „98. Gespräch“

96. Róža Domašcyna

Jayne-Ann Igel auf Signaturen über das Gedicht Variationen zum grünen zet von Róža Domašcyna, Auszug: In Róža Domašcynas Gedicht verhält sich die Geschichte antizyklisch – während sich Ende 1989 die Grenzen des Landes öffnen, zeitigt diese Öffnung im Innern eine neue Art von Ein-, Aus- und Abgrenzungen.… Continue Reading „96. Róža Domašcyna“

95. Neu bei lyrikkritik

Bücher und Rezensionen, die man nicht verpassen sollte: Kürzlich starb der hochverehrte slowenische Dichter Tomaž Šalamun. Eine wunderbare Hommage an den Dichter gibt es von M. Rinck und N. Broemmer, rezensiert von Meinolf Reul. Eine alte Rezension zu seinem Buch „4 Fragen der Melancholie“ findet sich im Archiv… Continue Reading „95. Neu bei lyrikkritik“