107. Albert Giraud

Wer kennt nicht den irrlichternden, mondsüchtigen Pierrot mit dem maskenhaft weißen Gesicht? Der belgische Dichter Albert Giraud ließ sich zu Poesien rund um diese entrückte Clownsfigur der Commedia dell’arte inspirieren – und verlieh der Figur eine gewisse Dosis Dekadenz. Die Übersetzung ins Deutsche besorgte Otto Erich Hartleben. 1912 wagten sich gleich zwei Komponisten an die Vertonung dieser Lyrik zu Liedern. Arnold Schönberg war der eine. Er ist bis heute berühmt. Max Kowalski war der andere Pierrot-Komponist. Er ist heute fast vergessen.

Kowalski lebte in Frankfurt am Main. Er war im Brotberuf Rechtsanwalt mit dem Schwerpunkt Urheberrecht. Und er war Jude. Seine Erfolge als Musiker wie auch seine bürgerliche Karriere wurden von den Nazis vernichtet: 1938 landete er im KZ Buchenwald, kam aber wieder frei und emigrierte nach London, wo er 1956 vereinsamt starb.

Seine Komposition »Zwölf Gedichte aus Pierrot lunaire« war früher beliebter als die von Schönberg. Der Countertenor Jochen Kowalski, der mit dem Komponisten nicht verwandt und nicht verschwägert ist, interpretierte sie am Mittwoch mit dem Salonorchester Unter den Linden im Staatsopernersatzdomizil, dem Schiller Theater in Berlin. »Pierrot sucht Lohengrin« hieß das Konzert. / Gisela Sonnenburg, junge Welt 27.2.

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