Mordzimmer

Rudolf Ditzen (Hans Fallada)

Mordzimmer

Wie seltne Blumen blüht an falben Wänden
Verspritzten Blutes klebriges Gerinnsel,
Am Tisch ein Abdruck noch von roten Händen
In einer Ecke hockt gemordetes Gewinsel.

In bunten Teppich angstgezähnt verbissen,
Liegt stumm am Boden eines Weibes Leiche,
Von blauem Messerschnitt die Brust zerrissen,
Ein trüber Seich tropft dumpf aus ihrer Weiche.

Die Augen offen — und sie sehen weiter
Als in des Zimmers abgestorbnes Schweigen —
Indes die Hände frech und lüstern heiter
Die Scham der Toten kühlen Blicken zeigen.

Die fremden Blumen purpurn an den Wänden
Verhohlen höhnt des Bettes Messingknauf,
Die Augen schaun und schaun, und aus den Lenden
Schreit quäkend rauh ein Neugebornes auf.

Rudolf Ditzen wurde heute 8 Uhr früh vor genau 125 Jahren in Greifswald geboren. Wer sich beeilt, schafft es noch zur Geburtstagsfeier. Heute Nachmittag ab 16 Uhr in Greifswald, Steinstraße 58. Oder zur Stadtführung auf den Spuren Falladas und anderer Autoren ab 14 Uhr Karl-Marx-Platz.

Eine Auswahl seiner Jugendgedichte erschien soeben bei VERSENSPORN. Heft für lyrische Reize

Nr. 32: Rudolf Ditzen
Broschur, Klammerheftung
32 Seiten
Umschlagmotiv: Otto Dix
Erste Auflage 2018: 200 Exemplare
Preis: 4,00 €

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