Die Wespen die ins Zimmer fliegen

171 Wörter, 1 Minute Lesedauer.

Ann Cotten

Die Wespen und Hornissen

Die Wespen, die, die Wände abzutasten, 
ins Zimmer fliegen, an die Fenster kommen,
und dort, vom Glas begeistert, will es scheinen,
im Tappen eine Suche inszenieren,
sie wissen wohl, ab morgen kommt der Regen,
sie suchen wohl ein Loch, sich reinzulegen,
nein, eine weiche Mauer, um ein Loch zu bohren.
Doch wenn sie dann durchs Fenster »außen« sehen,
dann scheinen sie das irgendwie zu mögen,
um sich von ihrer Suche abzulenken.
Sie sind ja davon dann nicht abzubringen
– zumindest will die Hand ja Abstand wahren –
die Scheibe mit den Füßen abzutasten,
ja wie der Papst die Transparenz zu küssen.
Es muss wohl kühl sein unter ihren Füßen
die Welt, aus der sie gerade eben kamen.
Wie ein den Schwindel auskostender Schauer
zwischen die Beine glotzt im Tokyo Tower,
rammen sie ihren Kopf gegen die Scheibe
penthesileisch, oder in Erklärungsnöten.
Sie sind frustriert, und doch darin noch spielend,
bewundre ich, sie weiter ignorierend.

Aus: Ann Cotten, Poller. Idyllen. Berlin: Suhrkamp, 2026 (edition suhrkamp, Sonderdruck), S. 9

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