Das Archiv der Lyriknachrichten | Seit 2001 | News that stays news
Veröffentlicht am 13. Oktober 2026 von lyrikzeitung
171 Wörter, 1 Minute Lesedauer.
Die Wespen, die, die Wände abzutasten,
ins Zimmer fliegen, an die Fenster kommen,
und dort, vom Glas begeistert, will es scheinen,
im Tappen eine Suche inszenieren,
sie wissen wohl, ab morgen kommt der Regen,
sie suchen wohl ein Loch, sich reinzulegen,
nein, eine weiche Mauer, um ein Loch zu bohren.
Doch wenn sie dann durchs Fenster »außen« sehen,
dann scheinen sie das irgendwie zu mögen,
um sich von ihrer Suche abzulenken.
Sie sind ja davon dann nicht abzubringen
– zumindest will die Hand ja Abstand wahren –
die Scheibe mit den Füßen abzutasten,
ja wie der Papst die Transparenz zu küssen.
Es muss wohl kühl sein unter ihren Füßen
die Welt, aus der sie gerade eben kamen.
Wie ein den Schwindel auskostender Schauer
zwischen die Beine glotzt im Tokyo Tower,
rammen sie ihren Kopf gegen die Scheibe
penthesileisch, oder in Erklärungsnöten.
Sie sind frustriert, und doch darin noch spielend,
bewundre ich, sie weiter ignorierend.
Aus: Ann Cotten, Poller. Idyllen. Berlin: Suhrkamp, 2026 (edition suhrkamp, Sonderdruck), S. 9
Kategorie: Deutsch, DeutschlandSchlagworte: Amazonen, Ann Cotten, Ann Cotten Gedichte, Die Wespen und Hornissen, edition suhrkamp, Erkenntnis, Fensterscheibe, Frustration, Gegenwartslyrik, Heinrich von Kleist, Hornissen, Innen und Außen, Insekten, Lyrik 2026, Naturbeobachtung, Naturlyrik, Papst, Penthesilea, Poller Idyllen, Suhrkamp, Tiergedicht, Tierverhalten, Tokyo Tower, Transparenz, Wahrnehmung, Wespen
Kann zu diesem Blog derzeit keine Informationen laden.
Hast du ein WordPress.com-Konto? Melde dich jetzt an.
Neueste Kommentare