Wären die Dichter nicht so dumm

Wird mal wieder Zeit für

Boris

Vian!

(* 10. März 1920 in Ville-d’Avray; † 23. Juni 1959 in Paris) 

Wären die Dichter nicht so dumm 
Und wären sie auch nicht so faul 
Sie machten alle Menschen glücklich 
Um sich zu kümmern ganz in Ruh 
Um ihren literarischen Schmerz 
Würden sie gelbe Häuser bau’n 
Und davor große Gärten 
Und Bäume voller Vögel 
Mit Mirliflöten Wasserlilien 
Mit Meisegen und Grüngelichter 
Mit Federwichten, Tellerpickern 
Und kleinen Raben die ganz rot 
Die außerdem die Zukunft sagen 
Springbrunnen gäb es große 
Mit vielen Lichtern drin 
Es gäbe mehr als hundert Fische 
vom Kruspen bis zum Ramusson 
Von der Libelle bis zum Fokenmuli 
Vom Hornfisch bis zum raren Kuli 
Vom Hager bis zum Klepper hin 
Es gäbe neue Luft 
Vom Duft der Blätter parfümiert 
Man würde essen wann man wollte 
Arbeiten würd man ohne Hast 
Man würde Treppen bauen
Von nie gesehener Form 
Aus Holz das blau gemasert 
Und glatt ist in der Hand wie sie

Doch die Dichter sind sehr dumm 
Sie fangen erst mal an zu schreiben 
Statt an die Arbeit sich zu machen 
Dann kommen die Gewissensbisse 
Die bis zum Tod sie nicht mehr missen 
Froh daß sie so gelitten haben 
Hält große Reden man an ihrem Grab 
Vergißt sie dann nach einem Tag 
Doch wär’n sie nicht so faul gewesen 
Man hätt’ sie erst nach zwei vergessen.

Deutsch von Eugen Helmlé, aus: Boris Vian: Ich möchte nicht krepieren. Gedichte, Lieder und Texte. Frankfurt/Main: Zweitausendeins, 1985, S. 171/173

Si les poètes étaient moins bêtes
Et s’ils étaient moins paresseux
Ils rendraient tout le monde heureux
Pour pouvoir s’occuper en paix
De leurs souffrances littéraires.

Ils construiraient des maisons jaunes
Avec de grands jardins devant
Et des arbres pleins de zoizeaux
De mirliflûtes et de lizeaux
Des mésongres et des feuvertes
Des plumuches, des picassiettes
Et des petits corbeaux tout rouges
Qui diraient la bonne aventure

Il y aurait de grands jets d’eau
Avec des lumières dedans
Il y aurait deux cents poissons
Depuis le croûsque au ramusson
De la libelle au pépamule
De l’orphie au rara curule
Et de l’avoile au canisson

Il y aurait de l’air tout neuf
Parfumé de l’odeur des feuilles
On mangerait quand on voudrait
Et l’on travaillerait sans hâte
A construire des escaliers
De formes encore jamais vues
Avec des bois veinés de mauve
Lisses comme elle sous les doigts

Mais les poètes sont très bêtes
Ils écrivent pour commencer
Au lieu de s’mettre à travailler
Et ça leur donne des remords
Qu’ils conservent jusqu’à la mort
Ravis d’avoir tellement souffert
On leur donne des grands discours
Et on les oublie en un jour
Mais s’ils étaient moins paresseux
On ne les oublieraient qu’en deux.

Erschienen 1962, entstanden 1951/52

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