Der Regen

Jorge Luis Borges

(* 24. August 1899 in Buenos Aires; † 14. Juni 1986 in Genf)

Der Regen

Jäh ist der Abend hell geworden, denn
schon fällt der Regen in genauen Tropfen.
Fällt oder fiel. Zweifellos ist der Regen
etwas, was in Vergangenheit geschieht.

Der, der ihn fallen hört, gewinnt die Zeit
zurück, da ihm ein günstiges Geschick
die Blume namens Rose offenbarte
und diese sonderbare Farbe Rot.

Der Regen, der die Scheiben blendet, wird in
verlorenen Vorstädten die schwarzen Trauben
der Laube eines Patio erquicken,

der nicht mehr ist. Dieser benetzte Abend
bringt mir die Stimme, die ersehnte Stimme
meines Vaters, der heimkehrt und nicht tot ist.

Aus dem Spanischen von Gisbert Haefs
- 138 -

Deutsch von Gisbert Haefs, aus: Natur! 100 Gedichte. Ausgewählt und mit einem Essay von John Burnside. München: Penguin, 2018, S. 138.

La lluvia

Bruscamente la tarde se ha aclarado 
Porque ya cae la lluvia minuciosa. 
Cae o cayó. La lluvia es una cosa 
Que sin duda sucede en el pasado. 

Quien la oye caer ha recobrado 
El tiempo en que la suerte venturosa 
Le reveló una flor llamada rosa 
Y el curioso color del colorado. 

Esta lluvia que ciega los cristales 
Alegrará en perdidos arrabales 
Las negras uvas de una parra en cierto 

Patio que ya no existe. La mojada 
Tarde me trae la voz, la voz deseada, 
De mi padre que vuelve y que no ha muerto.

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