Die Dichter

Alexander Blok

(Block; Александр Александрович Блок, * 16. November jul./ 28. November 1880 greg. in Sankt Petersburg; † 7. August 1921 in Petrograd)

Die Dichter

Ein ödes Quartier war am Stadtrand entstanden
Auf versackendem sumpfigem Grund.
Hier wohnten die Dichter, und traf wer den andern.
Rann ein Spottlächeln ihm um den Mund.

Und mochte auch über dem traurigen Sumpf
Der erquickendste Sonnenschein laufen –
Das Mietervolk hockte den ganzen Tag dumpf
Und verbissen beim Schreiben und Saufen.

Im Suff aber schworen sie Freundschaft auf immer.
Schwadronierten schön zynisch und deftig.
Erbrachen im Klo. Schlichen still auf ihr Zimmer.
Und dort schrieben sie wieder geschäftig.

Sie krochen hervor wie verwilderte Köter,
Schauten sinnend aufs flammende Meer
Und schnalzend, mit Kennerblick, ganz Schwerenöter,
Jedem Weibergezöpf hinterher.

Sie schwelgten in Zukunftsmusik süß erhoben.
Schimpften einhellig auf die Verleger.
Beschluchzten das silberne Wölkchen hoch droben
Und das Blümelein drunten am Wege.

So lebten die Dichter. Freund Leser, verzeih:
Sicher denkst du, da warst du mehr nütze –
Mit deiner tagtäglichen Abstrampeiei,
Deiner kläglichen Spießbürgerpfütze?

Du irrst dich, mein Freund voller blinder Kritik!
Immerhin – für das Dichterherz gibt
Es Wölkchen und Zöpfe und Zukunftsmusik,
Was »zu hoch« dir zu schweben beliebt.

Mit dir und dem Eheweib bist zu zufrieden
Wie mit Rußlands Verfassung, du Wicht!
Doch wir – uns sind Weltschmerz und Weltsuff beschieden,
Und Verfassungen reichen uns nicht!

Und lieg ich am Zaun wie ein Köter verreckt,
Von der Erde zertreten, so ist
Es Gott, der mit Schnee meinen Leib sanft bedeckt,
Und der Sturm, der die Stirne mir küßt.

  1. Juli 1908

Deutsch von Ilse Tschörtner. In: Alexander Block: Ausgewählte Werke. Hrsg. Fritz Mierau. Bd. 1: Gedichte, Poeme. Berlin: Volk und Welt 1978, S. 174f

Александр Блок

ПОЭТЫ

За городом вырос пустынный квартал
На почве болотной и зыбкой.
Там жили поэты, – и каждый встречал
Другого надменной улыбкой.

Напрасно и день светозарный вставал
Над этим печальным болотом:
Его обитатель свой день посвящал
Вину и усердным работам.

Когда напивались, то в дружбе клялись,
Болтали цинично и пряно.
Под утро их рвало. Потом, запершись,
Работали тупо и рьяно.

Потом вылезали из будок, как псы,
Смотрели, как море горело.
И золотом каждой прохожей косы
Пленялись со знанием дела.

Разнежась, мечтали о веке златом,
Ругали издателей дружно.
И плакали горько над малым цветком,
Над маленькой тучкой жемчужной…

Так жили поэты. Читатель и друг!
Ты думаешь, может быть, – хуже
Твоих ежедневных бессильных потуг,
Твоей обывательской лужи?

Нет, милый читатель, мой критик слепой!
По крайности, есть у поэта
И косы, и тучки, и век золотой,
Тебе ж недоступно всё это!..

Ты будешь доволен собой и женой,
Своей конституцией куцой,
А вот у поэта – всемирный запой,
И мало ему конституций!

Пускай я умру под забором, как пес,
Пусть жизнь меня в землю втоптала, –
Я верю: то бог меня снегом занес,
То вьюга меня целовала!

24 июля 1908

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