Wan alle Buhler doch

Sibylla Schwarz

(*14. Februar alten / 24. Februar 1621 neuen Stils Greifswald; † 31. Juli alten, 10. August 1638 neuen Stils Greifswald)

Etliche Sonnete.

1.

WAn alle Buhler doch nuhr hetten einen Fluht* /
so würde Venus nicht so ungleich ihnen schencken
der süssen Liebe Lohn ; sie würde noch gedencken /
was hertzlich lieben sey. Weil nuhn der dieses thut /
   der ander aber das / der eine wagt sein Bluht /
der ander tuht es nicht / der eine wil sich lencken
zuhr Hoffnung und Gedult / und jener wil sich hencken /
so lohnt sie nach Verdienst : den trewen ist sie guht /
   den falschen ist sie falsch / wie kan sieß anderst machen ?
weil dieser klagt und weint / und jener pflegt zu lachen.
   Jch bin vohm Lieben kalt / und brenn doch als ein Licht /
dan dis ist mein Gebrauch : Jch halte meine Schmertzen
nuhr still / und sage nicht fort alles auß dem Hertzen /
was wohl dahrinnen ist ; Jch lieb und lieb auch nicht.
  • Fluht: wohl Flut (Grimm: „die nhd. schreibungen fluth und fluht sind schlecht“). Bei Grimm auch der Hinweis, daß das Wort im Gotischen u. Mhd. maskulin oder feminin ist. Bedeutungen bei Grimm: 1. Fluß, 2. Meerflut; 3. Anwendung auf Wein und Thränen (…) 4. bildliche Verwendung; daneben Sonderbedeutungen im Bergbau u. der Schweizer Küche. Außerdem Hinweis auf das Kompositum Liebesflut. Vielleicht etwa: Wenn alle Liebenden einen (gleich starken) An-, Auftrieb hätten.

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