Ich kann davon nicht schweigen

Philipp Otto Runge (* 23. Juli 1777 in Wolgast; † 2. Dezember 1810 in Hamburg)

Die Quelle

Ein Wunderland
Ward mir bekannt;
Ich kann davon nicht schweigen,
Daß, wer es kennt,
Vor Sehnsucht brennt,
Es sich zu machen eigen:

Aus kühler Kluft im Felsen quillt ein Leben,
Es springt an’s Licht mit fröhlichem Verlangen,
Die Ufer spiegelnd wollen sie umfangen.
Woher sie kommen, können wir nicht wissen,
Von unsrer Mutter wollen wir sie grüßen.
Sie bringen mit die Blumen und die Früchte,
Und fliegen fort, und kehren zu dem Lichte.
– Wie schäumend über Blumen hier die Wellen brechen,
Wer kann’s mit Zungen und mit Saiten sprechen?

Im Wald’ erscheint dies liebliche Gesichte –
Der Dichter weilt, von Glanz und Ton bezwungen.
Die Bäume weben in dem grünen Lichte,
Musik hat alle Wesen süß durchdrungen.
Das bange Herz, es kann sich froh erweitern,
Und volle Lust will, Seele, dich erheitern,
Die Kraft im Busen frisch und hell erglüh’n,
Und jauchzend muß ich zu dem Glanze zieh’n.
– Mit Worten sprechen, wie in Licht und Klang verschlungen
Sind Sinn und Herz, wem ist es je gelungen?

(Vermutlich 1805)

Aus: Hinterlassene Schriften von Philipp Otto Runge, Mahler. Herausgegeben von dessen ältestem Bruder [Johann Daniel Runge]. Erster Theil: Mit sieben Bildwerken. Hamburg : Perthes, 1840, S. 244

Quelle und Dichter. Hamburg, Kunsthalle

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