Gleichnisse

GLEICHNISSE

Tschuang-Tse

(Zhuāngzǐ, „Meister Zhuang“, Zhuāng Zhōu, chinesischer Philosoph und Dichter, 370 v.u.Z. – 287 v.u.Z.)

Gleichnisse sind meine Reden zumeist
und Worte, vor mir von anderen geprägt.
Der Becher, der täglich zum Trunke kreist,
doch den Abglanz des Ewigen in sich trägt.

Der weitaus größte Teil meiner Reden sind Gleichnisse, das heißt, ich bediene mich äußerer Bilder in meinen Erörterungen. So wie der eigene Vater nicht gern selbst den Werber macht für seinen Sohn. Denn es ist besser, wenn der Sohn von einem andern gelobt wird als von seinem eigenen Vater. Daß ich so reden muß, ist aber nicht meine Schuld, sondern Schuld der anderen.

Denn jeder stimmt nur dem gern zu, was mit seiner eigenen Ansicht übereinstimmt, und widerspricht dem, was seiner eigenen Ansicht widerspricht, und hält nur das für wahr, was seiner eigenen Ansicht entspricht, und das für falsch, was seiner eigenen Ansicht widerspricht.

Darum benutze ich meistens Worte, die vor mir von anderen fest geprägt sind, um so dem Streit um Worte ein Ende zu machen, weil jene als Autoritäten verehrt werden.

Aus: Tschuang-Tse: Dichtung und Weisheit. Aus dem chinesischen Urtext übersetzt von Hans O.H. Stange. Frankfurt/Main: Insel, 1989 (5. Aufl.), S. 5

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