Nicht zu vereinnahmen

Natürlich war der Gott, an den Gryphius glaubte, nicht schizophren oder ein beliebiger Gott. Aber Gryphius nahm in seinen literarischen Texten das Problem ernst, dass Gottes Wille auch für Gläubige nicht eindeutig erkennbar ist. Krieg oder Terror im Namen Gottes war für Gryphius daher nicht zu rechtfertigen. Er wagte es, als Gläubiger die von Fundamentalisten jeglicher Couleur stets vermiedene Frage zu stellen: »Wie? (…) stellt des Höchsten Macht / Ein unerhörtes ändern an? / Hat sich sein Geist auff was bedacht / Das kein Gemütt ersinnen kan?«

Gryphius ist ein sperriger Autor, weil sich sein Werk einer ideologischen Vereinnahmung verweigert. Viele Texte von Gryphius leben von Ambivalenzen, um derentwillen es sich aber lohnt, noch heute die Anstrengung der Lektüre auf sich zu nehmen. Das gilt auch, wenn es nicht um Politik geht.

So propagiert »Cardenio und Celinde« (1657) nicht nur die »keusche / sitsame und doch inbrünstige« Liebe, sondern es zeigt sich hier auch ein überraschendes Verständnis für die durch Sexualität getriebene »rasende / tolle und verzweifflende« Liebe. / Arnd Beise, junge Welt

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