Die Lyrik „zieht um“

Die Überschrift klingt vielversprechend:

SPECIAL zu »DVA Jahrbuch der Lyrik«

Das „Special“ entpuppt sich dann als Spezialbezeichnung für eine fallengelassene heiße Kartoffel. Lyrik ist bekanntlich seit einiger Zeit heiß, sexy als auch im Aufwind, das sagen alle. Randomhouse sagt es so:

Das Jahrbuch der Lyrik zieht um.

„Zieht um“, das sitzt! Man weiß sozusagen nicht ob aus freien Stücken oder gezwungener Maßen, man weiß auch noch nicht wohin die Reise / der Umzug geht, nicht einmal ob es überhaupt ein Ziel gibt, aber: „zieht um“:

Bis ein Verlag für das nächste Jahrbuch der Lyrik gefunden ist, können Sie ihre Gedichte für das Jahrbuch 2017 an die alte Adresse lyrikjahrbuch@dva.de mailen. Wir sammeln alle Einsendungen und leiten sie dann an den neuen Jahrbuch-Verlag und die Herausgeber weiter.

Ich vermute mal: sie wollen das Lyrikjahrbuch aus der Verlegenheit befreien, im Verlag von Sarrazin zu erscheinen. (Mischfinanzierung war auch ein Thema heute. Keins für Randomhouse, spätestens jetzt weiß man es.).

7 Comments on “Die Lyrik „zieht um“

  1. Das stimmt (es war anfangs und lange bei Luchterhand. Fischer hat es glaub ich schon nach 2 oder 3 Nummern fallenlassen.). Irritierend, eigentlich zynisch finde ich die Formulierung „zieht um“. Luchterhand ist ins Schlingern geraten und hat sein literarisches Programm in den 90ern komplett gestrichen, die anderen haben ein in ihrer Bilanz unrentables Objekt fallenlassen (und der Herausgeber wird einen anderen Verlag gesucht haben). „Umziehen“ ist so merkwürdig verschleiernd. (Erinnert mich an das Verschleiern sexueller Konnotationen bei Shakespeare-Übersetzungen, von dem ich heute in Leseecke 4 schrieb.)

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  2. Vielleicht hat Randomhouse es auf seine Weise versucht „poetisch“ zu verschleiern … Es geht sicher darum, einfach nicht direkt zu sagen, dass sich dieser Titel auf dem Markt schwer tut und womöglich kein Verlag ihn haben will

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  3. ja, aber warum sagt man das dann nicht rundheraus, wo ohnehin jeder diesen schluss zieht. das ist eine weitverbreitete vorgehensweise, und ich wundere mich, dass kommunikationsprofis (ich nehme an, die gibt es dort) nicht sehen oder ihren vorgesetzten nicht klar machen können, dass das (schlechte) verschleiern und euphemisieren gerade für die eigenen interessen kontraproduktiv ist.

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  4. Soll das dicke Heftchen doch erscheinen oder nicht erscheinen wo es mag, viel schöner wäre, es würde sich nur noch zu 50% aus Einsendungen zusammensetzen, und der Rest würde aktiv von den Herausgebern in Neuerscheinungen gesucht, von interessanten Dichtern aquieriert werden.

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