Wie relevant ist Lyrikkritik?

Befindet sich die Lyrikkritik in einem beklagenswertem Zustand? Das findet der Dichter Tristan Marquardt. In der aktuellen Debatte um Literaturkritik und Lyrik spielt nach Einschätzung unseres Autors vor allem eines die Hauptrolle: die Unsicherheit über das, was Kritik ist und sein kann. Spannend auch, wo die Kritik eigentlich stattfindet. Und wo nicht.

(…)

In den Feuilletons der Tageszeitungen, auf deren Online-Plattformen oder im Radio dazu kein Wort. Auch eine kundige Lyrik-Leserin wie Marie-Luise Knott verliert in ihrer Online-Kolumne beim Perlentaucher kein Wort über die aktuelle Debatte. Berührungslos ziehen die Dichter und ihre wechselseitigen Selbstbeobachtungen ihre Kreise.

/ Guido Graf, DLF

4 Comments on “Wie relevant ist Lyrikkritik?

  1. Eine Debatte über den beklagenswerten Zustand der Literaturkritik?
    Eine Kritik an der Kritik? Eine Metakritik?
    Lohnt sich die Mühe?

    Hat eine kundige Lyrik-Leserin wie Marie-Luise Knott nicht Wichtigeres zu tun, als sich mit derlei Debatten zu befassen? Statt dessen liest und bespricht sie Lyrik – und recht hat sie!

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  2. Genau, auch hier wird das Beklagenswerte eines Zustands wieder denen in die Schuhe geschoben, die am wenigsten dafür können.
    Mir schwant inzwischen, dass tatsächlich das Narrativ nicht stimmt, dass wir mehr Netzkritik bräuchten, weil sie von den Tageszeitungen nicht geleistet würde. Vielleicht brauchen wir mehr Netzkritik, weil unsere Anforderungen an Kritik gewachsen sind. Die Skills eines Steffan Schmitzer reichen aus, um einen als wertvoll bekannten Gegenstand zu beleuchten, aber reichen sie auch aus, einen unsicheren Kantonisten wie Breyger auf Fixpoetrys Express zu besprechen ohne einerseits zu andienend zu sein oder andererseits hier und da zu apodiktisch zu werden?
    Knott lese ich mit Interesse, aber sie verbrennt sich auch nicht gerade regelmäßig an vorderster Front die Finger, sondern spinnt ihre Kritiken in einem Netz erster gesicherter Fixpunkte. (Das kann Schmitzer natürlich auch.) Ich lerne anderswo mehr.
    Wollte sie sich an solchen avancierteren Debatte beteiligen, müsste sie auch anderen zuzuhören verstehen, die da Erfahrungen machten, wo es z.B. Breyger, Engehardt, Schmitzer und ihre Kommentatoren (soweit sie namentlich kenntlich werden) es unter großem persönlichen Risiko getan haben. Ich würde mir dieses Risiko häufiger wünschen, kann und mag es aber auch nicht geradezu fordern.

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  3. Der vorletzte Abschnitt der diesmaligen Beilage „Ankleben verboten! Die Technik des Schriftstellers in 13 Thesen“ (von Stephan Wackwitz in der Neuen Rundschau 2016/4):
    „Nimm wahr, was im Literaturbetrieb los ist. […] Sei dir bewusst, was in deinem Feld geschieht. Verhalte dich wie ein Profi. Schreib Rezensionen. Aber wahre innerlichen Abstand zum Betrieb. […]“
    liest sich wie ein Nachhall auf die (von vielen ernsthaft dafür gehaltene) Lyrikkritikdebatte im Frühjahr 2016.
    Drollig zu hören war der Versuch von Jan Drees und Hubert Winkels, über die „Kunst der Rezension“ (kürzlich im DLF) Substanzielles darzutun. Es blieb bei Anekdoten über die Beschaffenheit und das Erscheinungsbild der Winkels´schen Schreibtische einst und jetzt. Vielleicht weil das immerhin mit greifbaren Fakten zu tun hatte.
    Erfreulich ist: Es gibt, offenbar infolge des weiträumigen und profilschärferischen Meinungsaustauschs (aka „Lyrikkritikdebatte“), eine erste akribische Prognose zur Relevanz von Netzkritik poetischer Neuerscheinungen: https://www.uibk.ac.at/literaturkritik/pdfs/metz-lyrikkritik-2016-11-03.pdf Danke, Bertram, für den Hinweis auf den Aufsatz von Christian Metz.

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