März

Gut, eins noch, ein kleines. Zitat aus dem Poetenladen-Interview mit Kurt Drawert:

Etwas anderes ist die elektronische Verfügbarkeit der Diskussionen, wie sie in Darmstadt zum zweiten Mal, nämlich auch schon 2013, vorgenommen wurden. Ich bin hier nämlich gar nicht der Ansicht, dass die Jury einem online gestellten Mitschnitt aller Redebeiträge weiterhin zustimmen sollte und behalte mir ein weiteres Mitwirken unter diesen Umständen auch noch vor. Allein nach der letzten Auflage des Wettbewerbes habe ich so viele Verwünschungs- und Verleumdungsnachrichten erhalten, meistens verlinkt, weil ich mich in den unzählig vielen diversen Netzwerken selbst gar nicht zurechtfinden würde, dass ich mich fragte, warum man sich das eigentlich zumuten soll. Ein höchstfälliges Schmerzensgeld gibt es dafür ja auch nicht.

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6 Comments on “März

  1. Die Begründung fehlt hier.

    ,,Das für uns Verheerende daran nämlich ist, dass ein prozessualer Gesprächsverlauf, rein performativ und vorläufig, in der intermedialen Kopie zitierbar wird und damit den Status schriftsprachlicher Meinungssicherheit einnimmt. Zitate werden entkontextuiert und so neu zusammengesetzt, dass ihr Sinn verlorengeht. Mir ist bekannt, dass einzelne Redebeiträge herausgeschnitten und isoliert versendet werden konnten, kurz, wir landen auf dem digitalen Friedhof einer Endlosschleife, nicht mehr zu korrigieren, nicht mehr zu löschen, unsterblich im Irrtum. Das öffentliche Gespräch über Lyrik – und über oft ja auch zukünftige Kollegen – ist in sich schon sehr fragil und riskant. Wir nähern uns allenfalls einer Textwahrheit an, die in sich selbst ihren Grund hat und ihr Gesetz und der gegenüber es nur Annäherungen, Ahnungen, Vermutungen gibt. Das schließt Irritationen, Fehlurteile, Verständnisdefekte selbstredend ein, und ohne diese Leerstellen der Rezeption ließen sich die Diskurse überhaupt nicht führen. Das nun braucht auch einen Schutzraum vor einem Außen, das nicht selten inquisitorisch reagiert – oder die Kritik nimmt einen anderen, nicht mehr freien Verlauf.“ (ebd.)

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    • David – Das Verheerende und Vernichtende konnte man sehr direkt in den Äußerungen von Kurt Drawert finden, der bspw. WFS attestierte es als erster mit seinen Texten fertiggebracht zu haben, ihm, Drawert, Schmerzen zuzufügen. Wenn das kein polemisches, öffentlich vernichtendes Urteil ist?
      Also die Juryseite darf sich in Respektlosigkeit üben, die Hörerseite oder Schreiberseite aber nicht? Wenn ich öffentlich trompete, muß ich mit Echo rechnen.

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  2. deshalb ist es ja ein zitat. ein zitat durch ein anderes zitat „kontextualisieren“ ist wie mit der wurst nach dem schinken werfen. demgegenüber halte ich die information in dem von mir gesetzten zitat für buchenswert: ein juror möchte nicht, daß seine äußerungen hinterher abruf- und überprüfbar sind, und er droht mit boykott. hat er das wirklich? ja, hat er. wenn die veranstalter darauf eingehen, sollten sie konsequenterweise die öffentlichkeit von der debatte ausschließen, wie es bei den meisten preisen der brauch. sonst sitzt womöglich ein journalist im saal und schreibt hinterher sachen, die dem juror mißfallen. ganz zu schweigen vom publikum, das hinterher an den stammtischen der bösen sozialen netzwerke die zungen wetzt. – wenn sie das machen, halten sie den juror drawert, opfern freilich ein vorbildliches stück transparenz. (in klagenfurt wird man schon hellhörig 😉 )

    – anderer gedanke: wenn einen die schiere masse des jederzeit abrufbaren (ganzen) ängstigt (wenn ich drawert da richtig verstehe) kann man immer noch zum überschaubareren zitat greifen

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  3. Man darf es natürlich nicht missverstehen: Wenn man in einer Jurysitzung schlagwortartig Werkverweise herbeizitiert, ist es natürlich nicht so, dass man sie damit „entkontextuiert“. Auch sind natürlich Juryentscheidungen keineswegs „nicht mehr zu korrigieren, nicht mehr zu löschen, unsterblich im Irrtum.“ wie das etwa bei Netzdebatten der Fall ist.
    Andererseits darf man natürlich auch nicht denken, dass Debatten auf Facebook etwa ebenfalls mitunter „performativ und vorläufig“ wären.
    Gegenüber einer Debatte im Netz nahmen die Jurydebatten sicherlich einen vorbildlich „freien Verlauf“ was sie auch davor sicher beschützt hier und da etwas „inquisitorisch“ zu wirken.

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  4. Kurt Drawert betreibt Werbung in eigener Sache (Textwerkstatt). Ich halte seinen Auftritt nicht für integer; es ist Nachtreten. Bertram, bitte verschwende nicht Deinen Witz, Deine Ironie auf diesen Menschen. Es ist einfach ein sehr durchsichtiges Stück Literaturpolitik, was da betrieben wurde, im März 2015.

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