Gestorben

Der Hallenser Dichter Dieter Mucke starb am 12. März im Alter von 80 Jahren. Er wurde 1936 in Leipzig geboren. Seine erste Veröffentlichung war das Poesiealbum 19 (1969). Er veröffentlichte Gedichte und Prosa für Erwachsene und Kinder.

Hier Teil II aus dem Gedicht „Die Verzweiflung des François Villon“

In dem schwarzen, hundekalten Himmel
Pfeif ich auf das blaue Sterngewimmel
Auf den Sabbereifer falscher Weltpropheten
Auf das blöde Blaken der Planeten
Auf die Spitzel hinter meinem Arsche
Auf des Herrgotts Weihnachtsmannvisage
Und auf alle, die in gut gestopften Strümpfen
Über mich den ehrenwerten Rüssel rümpfen.

Wenn ich irgendwann im Schnee verrecke
Und aus Taktgefühl mich ein für allemal verstecke
Seh ich im Delirium bestimmt nicht lauter Mäuse
Sondern ein Heer gestiefelt und gespornter Läuse.

Aus: Kammwanderung. Gedichte. Berlin u. Weimar: Aufbau, 1983, S. 93f

Ich lege noch zwei Strophen aus dem bösen immer aktuellen Gedicht „Michel“ drauf:

Michel dürft nicht Michel heißen
Würde er den Tafelgreisen
Einmal auf die Teller scheißen
Oder sie vom Tische reißen.

(…)

Michel geht auf die Toilette
Legt sich in sein Federbette
Hofft, daß einst der Herr ihn rette
Dichtet traurige Sonette.

Aus: Wetterhahn und Nachtigall. Gedichte. Berlin u. Weimar: Aufbau, 1974, S. 39

R.i.p.!

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