Militanz der schlechten Gedichte

Die Technik, mit der Boris Preckwitz Lyrik simuliert, ist geradezu peinlich schlicht: Man nehme eine möglichst platte politische Phrase, zerhacke den Satz dann, schreibe die Teile untereinander und quirle die gewöhnliche Wortstellung noch ein bisschen durcheinander. Heinrich Heine erfand für diese Art der Makulatur den schönen Begriff „gereimte Zeitungsartikel“ – allerdings bekommt Preckwitz selbst Reime nur selten hin. Als Beispiel diene das Poem mit dem subtilen Titel Merkel muss weg:

Wir schaffen das,
schwafelte die Kanzlermadame. Sie
hat es geschafft, das Land zu spalten, sie
hat es geschafft, einen Erdteil zu spalten.
Sie – und jene Geister, den [sic] sie rief –
haben hier nichts mehr
und gar nichts zu schaffen.

Wir jedenfalls
wollen mit ihr
nichts zu schaffen haben.

Preckwitz‘ Blog ist ein komplett gefüllter Krämerladen für den gewöhnlichen Reichsbürger- und Klemmnazibedarf. Natürlich geht’s oft gegen die „Maulhuren“ der Sudel-Journaille und ihre Lügen, was bei einem Mann, der als PR-Fatzke sein Geld auch schon mal selbst als professioneller Lügner verdiente, doch etwas überrascht. Die Kommunistenfresser und Judenhasser zugleich bedient er mit einem Poem, das die Ermordung der illegal eingewanderten „Galizierin“ Rosa Luxemburg* durch „Kolbenhieb an den Kopf“ aufs Schönste begründet. „Huschen Schwule durch die Schule“, beginnt ein Gedicht über grüne Kinderschänder, das mit einer zauberhaften Wortschöpfung endet: „Mal wieder wollen sie die Welt verändern, / jetzt gehen sie vergewaltigendern.“ […] Und den Rassisten erklärt Boris Preckwitz, wer allein schuld an Afrikas Schande hat – natürlich der Neger:

[…] Schwarze sind es,
die immer noch Schwarze
verjagen, vergewaltigen, zerhacken,
Wo immer sie darben
auf Wegen und Wellen,
wo immer sie sterben
in Wäldern und Wüsten,

das Elend Afrikas
ist die Schande des schwarzen Mannes.

/ Michael Bittner

*) Das ist zu schlimm, das muß ich [M.G.] ganz einrücken, damit keiner sagen kann, ich hätte extra die schlimmsten Stellen ausgesucht. Was ist das Schlimmste daran, die schiefe Grammatik, die verrenkten Gedanken, die verunglückten Bilder oder die widerlichen Bewertungen?

Rozalia Luksenburg

Eine Jüdin aus Polen.
Vorkämpferin deutscher Arbeiter,
versuchte sich Einheitsparteidichter Brecht
an sozialistischer Seligspreche.
Tatsächlich, scheinverehelicht
die Staatsbürgerschaft im Reich
erschlichen, beehrte sie Freund und Feind
mit klassenkämpferischem Gekeife, Genossen
vom F.-Lassallschen-Gedächtnisverein
nannten sie Giftnudel, sie
keilte zurück gegen die Judasse.
Zuwider war der Galizierin, dass Ukrainer
und Polen sich anschickten, freie Staaten zu gründen.
Selbst den Bolschewiki schickte sie
noch eine Verwünschung in den Smolny –
sie irrte… sie irrte… sie irrte, bestückte Lenin
das Magazin
zum späteren Abschuss der Luksenburgisten.
Im absichtlichen Sinne ist
ihr missverstandener Satz
über die Freiheit der Andersdenkenden zu lesen,
denn diese Freiheit meinte Rosa lediglich
als Freiheit der marxistisch Denkenden.
Den gewaltigsten Bürgerkrieg forderte sie
für die Gewaltherrschaft des Proletariats,
Todfeinde die Sozialdemokraten, ein Popanz
und Kretinismus das Parlament. Jawohl: Diktatur!
Dann Machtergreifung, Endsieg, Enteignung, weg
mit den Bürgerrechen. Sogar als die Arbeiter
vom Massenstreik nichts wissen wollten: Alle Macht den Räten,
dem Feinde Daumen aufs Auge und Knie auf die Brust!
Später am Tage, abseits von Urteil und Recht
beendete ein Kolbenhieb an den Kopf
ihr Schreien nach Staatsstreich.

Boris Preckwitz in L&Poe

Nachtrag 15.3.: Der beleidigte Barde droht damit, sich an den von ihm verachteten Staat um Hilfe gegen den Kritiker zu wenden. Hier

8 Comments on “Militanz der schlechten Gedichte

  1. Diese Gedichte sind eine Schande! (Ja, das ist eines der Worte, die mir vorhin noch fehlten…). Ich frage mich nur, was das wohl für ein Verlag sein mag, der sie verlegt hat?!

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  2. spuren von dem völkischen scheiß waren auch in früheren büchern von ihm enthalten, aber nicht so massiv. hab mich schon mal gefragt, warum das verlegt wurde, damals eher aus ästhetischen als politischen gründen

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