Tag der Tschekisten

Am 20. Dezember 1917 beschloß der Rat der Volkskommissare der Russischen Sozialistischen Föderativen Sowjetrepublik die Bildung der „Allrussischen Außerordentlichen Kommission zur Bekämpfung der Konterrevolution und der Sabotage“ (nach dem russischen Namen Всероссийской чрезвычайной комиссии, ВЧК „Wetscheka“ oder Tscheka genannt) unter Leitung von Felix Dserschinski (Feliks Dzierżyński). Dieser Tag wurde später als „Tag der Tschekisten“ (so der inoffizielle Name) begangen. 1995 benannte Boris Jelzin ihn in „Tag der Mitarbeiter der Sicherheitsorgane der Russischen Föderation“ um. Die „Agentur für Politische Nachrichten“ der rechtsradikalen russischen „Nationaldemokratischen Partei“ sagt es poetisch so: „Den Erben Felix Dserschinskis gratuliert der Präsident und die Meister der Kunst geben ihnen ein großes Konzert im Kreml“. Über den Feiertag sagen sie a) „In der Lubjanka nennt man ihn der Tradition gemäß Tag des Tschekisten“ und b) zwar habe Jelzin das Dekret erlassen, aber erst unter Präsident Putin werde er in gesamtrussischem Maßstab (russ. масштаб, Mas-schtab) begangen.

Genug muckraking*! In einem zweistufigen Anlauf zurück zur Normalität, aka Poesie. Hier die erste Stufe.

1981 veröffentlichte Uwe Kolbe das Gedicht „Kern meines Romans“. Hier die vierte Strophe:

Einsicht Umweg Reime Ergebnis Maß
Hochachtung Ehre Lob Demut Edelmut Nutzen Tadel Unsicherheit Mut
Dank Erziehung Nachsicht
Offenbarung Pathos Frieden Erscheinung Reinheit Nichts
Weg Irrtum Droge Mahnmal Erklären
Ideal Cäsur Haltlose
Eines Ich Norm Einfaches Natur
Opfer Rasen Genick Arche Suche Musik Unwirsch Schwanz

Mit Gedichten kann man vielerlei tun. Sie lesen, vorlesen, nicht verstehen, lesen, kopfschüttelnd weglegen, interpretieren, lesen, verstehen, zu verstehen glauben, zu verstehen behaupten, loben,kritisieren, ignorieren, denunzieren, lesen… In Haft nehmen kann man Gedichte nicht, das geht nur mit den Schreibern oder Lesern. Dieses Gedicht hat etlichen Angehörigen der Sicherheitsorgane und Funktionären auf verschiedenen Ebenen Arbeit gemacht. Als jemand nämlich (ein gebildeter Literaturwissenschaftler, nehme ich mal an) den Organen steckte, daß das Gedicht ein Palindrom ist. Liest man die Anfangsbuchstaben aller Wörter, entsteht Zeile für Zeile ein neuer Text.

*) Für heute? Schön wärs, aber kann mans vorher wissen?

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