Fortsetzungen

der Debatte um Bertram Reineckes Essay „Die Mitte und kein Ende“ (in den Signaturen): zu den Wortmeldungen in der Lyrikzeitung und auf Facebookseiten kommt jetzt ein Mailwechsel zwischen Frank Milautzcki und Bertram Reinecke bei Fixpoetry.

14 Comments on “Fortsetzungen

  1. @Christian Schloyer: Wie ich an anderen Stellen nicht auszuführen müde werde: Ja, ein Argument kann richtig oder falsch sein, egal, ob man die Kraft zum Denken aus dem Neid nimmt oder nicht. Aber das Argument perlt ab: Es geht dem Neidargument regelmäßig gar nicht darum, eine Erklärung für ein Phänomen neugierig zu untersuchen, sondern das Neidargument wird, wie ich eben auch auf den Artkel „Benachteiligungsverdacht“ von Fran antwortete, geschwungen um die Lücke zwischen öffentliche- und Fachdiskursen wegzuleugnen. Sich auszukennen in der Lyrik ist habitueller Bestandteil des Selbstbildes vieler Betriebs(halb)profis, der Gegenstand selbst interessiert sie aber nicht genug, dass sie es nicht als beleidigend empfinden, wenn jemand behauptet, man könne noch ganz andere Ideen und Argumente haben, als die öffentlich weithin bekannten.
    Unter anderen Lebensbedingungen wärst Du sicher produktiver, wenn auch, meinetwegen nicht so produktiv wie er, so doch produktiv genug, um nicht mehr auf Wagner neidisch zu sein.
    Gespräche zwischen Lyrikern unter Kollegen. Ja ist eine fruchtbare Möglichkeit. Ich hatte schon kurz folgendes angefangen: Interwievausschnitte von Wagner mit poetologishcen Statements, die vor der Preisbekanntgabe von anderen Dichtern getroffen wurden, gegenzuschneiden. Um zu zeigen, dass Wagner schon vor dem Preis eine bestimmte Stellung einnahm. Und die Argumente nicht eigens erfunden werden müssen. Dann habe ich mir damit aber nicht meine wenige siponible Zeit zufüllen wollen, obwohl manchmal selbst zustimmende Äußerungen sehr sprechend sind. Wenn z.B. eine Stelle bei Mara Genschel eine Aussage von Jan Wagner in einem ganz anderen Zungenschlag bestätigt …

    @Alex: Transparenz ist naürlich ein relativer Begriff. Und ja: Man fordert sie, weil sie unerwünscht ist und die Gefahr groß, sich sinnlos abzurackern. Aber es gibt ja transparente Preise, wie den Münchner Lyrikpreis. Und auch wenn der sich angreifbar macht und angegriffen wird, steht er im Verhältnis zu seiner Dotierung doch unter Lyrikern und Kennern soweit ich beobachte in einem überdurchschnittlich hohen Ruf. Insofern nützt die Transparenzforderung nicht nur etwas, wenn sie endlich am Nimmerleinstag erfüllt ist, sondern bereits, wenn Ruf und Glaubwürdigkeit von Preisentscheidungen gegeneinander abgewogen wird.
    Ja, es wird verkannt, inwiefern andere Lyriker eben ein anderes „Geschäft“ ausübern. Immer wieder dieser Fehlschluss von gleichem Label „Lyrik“ auf die gleiche Sache ….
    Seltsam ist es doch: Nora Bossong wollte eine Wagnerdebatte entwerten, die auffälliger Weise anders als sie nahelegte, bis dahin fast gar nicht geführt wurde. Und nun fühlen sich die Leute dazu provoziert.
    Auch ich habe das, was ich die romantisch symbolistische Tradition nenne, früher auch zunächst in toto als Entgrenzung meiner Wirklichkeit erlebt, so sehr jedenfalls, dass ich von jedem Mallarme- oder Rilkegedicht, was dies nicht vermochte, ein wenig enttäuscht war. Nun spüre ich die Limits stärker. Ich kann die Gründe benennen. Bei Mallarme liegt es stark am Vokabular z.B. Da werden Wirklichkeitsfelder hineingezogen, die von sich aus eine Tendenz zur Grenzenlosigkeit und zum Schönen haben und das Gedicht löst darüber hinaus oft weniger aus sondern erinnert mich bloß an sie. Wagners Wirklichkeitsfelder (vokabulatorische Felder) sind andere und gehen darüber hinaus. Weil ichs grad lese: Näher bei Proust. Dass letzterer stärkere syntaktische Mittel benutzt, Dinge damit in ein präziseres Verhältnis setzen kann, kommt meinem Wunsch nach Offenheit stark entgegen, wiel man damit Dinge nachhaltiger in ein präzises Verhältnis bringen kann. Für meine Wünsche an mein Lesen kann ich da mit Wagner weniger anfangen, finde momentan eben Sytax eine Chance, die erstaunlich oft liegen gelassen wird von gedichtautoren. Würde Wagner mir da entgegenkommen, würde er sich anderen entfremden. Denn viele Gedichtleser wünschen gerade diese syntaktische Offenheit und auch seine Kürze. Und ich rede schon wieder nicht über Wagner, sondern über meine ganz persönlichen momentanen Leseinteressen!!!! (Im Verhältnis zu denen anderer Leute.) Es ist ja immer das Merkwürdige, wie man genötigt wird, sich mit öffentlichen Gegensänden zu beschäftigen. Ich möchte mich da nicht hineinziehen lassen, wo die Diskussionen über Bossong mich schon tagelang absorbieren.
    Deswegen verstehe ich zwar Dein Argument, dass Wagner sein eigenes Schreiben auf problematische Weise limitiert, kann aber nicht untersuchen, ob es ein generelles Problem seiner Poetologie ist, oder ob es eine Frage der Kalibrierung ist, also ob es nur oft so ist und mich die Gedichte, bei denen dann trotz dieser angezogener Bremse eine Entgrenzung meiner selbst herauskäme, das (wenigstens zum Teil) aufwiegen könnten (für mich!!!). Rosenlöcher nannte ich ja, er scheint mir auch ein eher gebremster Dichter, dennoch finde ich bei ihm diese mir wichtigen Momente, wo es dann überschießt, ich bin sie bei Wagner vielleicht noch nicht intensiv genug suchen gegangen? – Während ich bei Rosenlöchner glücklich und leicht darauf gestoßen bin. Auf der anderen Seite beobachte ich auch: Es gibt sehr viele Argumente für Jan Wagner, die aus Engstirnigkeit und Gewohnheit erwachsen. Diese sprechen weder für ihn, noch sollte man sie gegen ihn verwenden, auch wenn sie natürlich zumindest einen guten Teil seiner gegenwärtigen Popularität mit erklären helfen. Du fährst fort: „man kann sie bekämpfen. wenn man nicht unter die symptome fallen will, dann sollte man aber tunlichst nicht die bewegung bremsen, die einen manchmal an die frische luft bringen kann“ Da werde ich skeptisch: Ich glaube nicht, dass Kunst so aus einem Guss mit dem Menschen kommt. Ich kann bei manchem viel Konsequentes sehen, halte aber Menschen doch für in sehr heterogenen Konventionssystemen steckend. Zwar ist ein allgemeiner sprachliche Habitus eines schreibenden Menschen eng mit dem Charakter seiner Kunst verbunden, aber teils auf vermittelte, teils auch auf arbiträre Weise. Es spielt da z.B. auch eine Rolle welche Kunst(konventions)systeme ihm zu welchem Zeitpunkt begegnet sind und wo sie dann in mehr oder weniger tiefen Schichten in sein Sprechen eingebaut wurden usw. Da sind zu heterogene Prozesse am Werk, als das ich da Deinen diagnostischen Werkzeugen trauen möchte.

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  2. zwei versionen infolge computerunfalls mehr unfälle fordert ja ungefähr auch die neueste ausgabe des abwärts als reaktion auf diesen diskurs, der an die stelle von j wagner gesetzt worden ist.

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  3. tranzparenz? ist das nicht eine verschiebung der intranzparenz? wenn einer von tranzparenz spricht, dann von der vollendeten tranzaprenz, die nicht wirklich ist. partikläres fordern von tranzparenz läuft hinaus auf eine beschäftigungstherapie.

    neid? wie sollte einer j wagner beneiden, der nicht dassele geschäft ausübt, wie j wagner? für das bißchen preis j wagner sein, als er aufwachen, seine gedichte schrieben?

    wenn j wagner ein gedicht vorlegt, verschwindet er. denn es verwandelt sich in seine leser. symptome werden zu neid. neiddebatte:symptom.

    hierin liegt doch die frage: welches geschäft übt derenige aus, der wagners gedichte schreibt?

    es gibt eine beengende wirklichkeit, und dann eine bewegung, die darüber hinaus kann. ich glaube doch, wenn einer schreibt, dann hat er es mit so einer bewegung zu tun, der er sich überlassen kann, bezw. die er verscuhen kann zu bremsen. warum ist es eigentlich eng? wer soll diese frage beantworten? man kann nuri mmer wieder darüberhinausgehen. wer es nicht kann, der bekommt symptome. ich für mein teil lese, wenn ich j wagner lese, gebremste bewegungen. kann mir nicht helfen, neidlos habe ich den verdacht, er clychesiert. einen ähnlichen verdacht habe ich, wenn ich institutionen und ihren mitgliedern bei ihren einigungsritualen zuschause. hintergründig klingen sie aneinander, j wagner und diese mitglieder. sie machen ein ganz artverwandtes tamtam.nicht weil sie verrückt sind, nicht unbedingt. aber gebremst. das ist keine sexusverklemmung, das ist enge. und enge hat doch mit mitte zu tun, die sich gegen eine bewegung behauptet, gegen die sie, wenn man den standpunkt einnimt, von dem aus vorhin die tranzparenz gefordert worden ist, ohnehin verliert. die ungerechitgkeit kann man bemängeln, man kann sie bekämpfen. wenn man nicht unter die symptome fallen will, dann sollte man aber tunlichst nicht die bewegung bremsen, die einen manchmal an die frische luft bringen kann und was j wagner angeht und seine genossen, wenn man sie beim wort nimmt, dann dind sie dichter und ihre gelegenheit manchmal raus zu kommen, das ist das schreiben und wenn sie da trotzdem drinnen bleiben? wohl dem, der das nicht neiden muß!

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  4. tranzparenz? wie soll das keine verschiebung von intranzparenz sein? wenn man von tranzparenz spricht, dann spricht man doch unweigerlich von der vollendeten tranzparenz, die keine trübung mehr übrig läßt. ein standpunkt ohne wirklichkeit, weil in der wirklichkeit kann man nur bemängeln, daß die klarsicht getrübt wird und z.b. das öffentlich tun. gesagt, getan. und nun? jetzt wird verschoben, wenn die kläger glück haben. dieses partikuläre fordern von klarheit ist eine beschäftigungstherapie.

    neid? wer sollte wagner beneiden? das bißchen preis nehmen und dafür j wagner sein. als j wagner aufwachen?

    wirklich beneiden kann ihn nur derjenige, der dasselbe geschäft ausübt. und darin liegt doch die frage, welches geschäft übt einer aus, der j wagners gedichte schreibt? da wo symptome die wirklichkeit überwiegen, da wird getrübt, da werden mißliche tatsachen geschaffen von institutionen, die die symptome gleichsam hegen. es gibt die wirklichkeit, dann die literatur, die fantastisch über dieselbe sich hinaus bewegt und dann gibt es symptome. eine literatur, die nicht hinter die symptome kommt, die nicht die wirklichkeit erreicht, welce von symptomen getrübt wird, die ist auch nicht sie selbst.
    demonstration:
    j wagner legt ein gedicht vor. er verschwindet. denn das gedicht verwandelt sich in seine leser. dieser leser denkt an neid. neiddebatte=symptom.

    was denken die in den institutioen kann doch einem hrzl den hintern passieren, wenn er nicht das geschäft mitausübt, das einer traibt, der j wagners gedichte schreibt.

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  5. man hat mich RAUSGEWORFEN. und man hat meinen workshop abgesagt ! obwohl ich im programm steh: grund: ich plakatierte schon wochenlang vor beginn des sommerprogramms am und rund ums : volkskundemuseum: meine gedichte….. (auch das honorar bekomm ich natuerlich nicht…und: sie haben immer wieder meine werke entfernt…)

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  6. ihr seid so schnell. Ich bezog mich meinem Post nat auf Micha
    @Jan: einen Essay zur Poetologie von mir, der Wagner mitbetrifft, ohne seinen Namen zu nennen, hängt schon länger bei Frohmann in der Warteschleife. Mal schauen, ob der gelesen wird, oder ob zu den Debatten die Leute erst kommen, wenn es Reizworte gibt.

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  7. Da hast Du natürlich vollkommen recht, aber das ist immer schwammig, ich wünsche mir da viel mehr Transparenz. Aber: Man kann da immer sagen, dass der Vorjuror nur mäßig nach seinem Geschmack sondern eher nach „Zustimmungsfähigkeit“ entscheidet. Klar, dass das eine seltsame Vorselektion bedeutet Und da auf Wagner zu setzen, wäre schon aus statistischen Gründen plausibel. (Und ich glaube auch, dass das dadurch verschiedenene Ansätze krass verschiedene Chancen haben. Aber das ist eine von allem Anfang an eine Deatte, wo das Ästhetische vom Politischen erdrckt wärde.) Die Hauptjury hat eine festgelegte Auswahl, muss sich aber nur nach ihrem Gusto entscheiden. deswegen ist erst diese Entscheidung, wenn denn die Jury eine andere Wahl gehabt hätte, für eine ästhetische Debatte sprechend. Deine Bemerkungen machen das von Frank vorgeschlagene Argument zwar schwächer, schließen seine Verwendung aber nicht aus, sodass eine Verwunderung übrig bleibt.

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  8. „neiddebate“ ist die unterstellung, die von anfang an da war, wer positionen angreift, sagten verschiedene leute, tut das aus neid. und da das keine basis einer auseinandersezung ist, hast du recht, bertram, und wir sollten positionen erstmal getrennt formulieren.
    klar, nicht jeder autor, formuliert sich eine ästhetik (auch ich arbeite als lyriker eher intuitiv, und formuliere meine eigenen ästhetischen positionen gewissermaßen nachträglich.) aber mir macht es spass, positionen anderer herauszufinden (die vielleicht genauso intuitiv sind, wie meine. haltung ist mir wichtig. und über ermittelte positionen kann man leidenschaftlich streiten, und das macht spass. mehr jedenfalls, als sich auf einem rückzugsgefecht gegen den neidvorwurf zu veteidigen. vielleicht sollten wir beginnen, in kleinen gruppen oder paarweise uns öffentlich über neue gedichtbände oder theoretische texte zu unterhalten. in einer art öffentlichem forum. und vielleicht muss man sich gar nicht auf neuerscheinungen beschränken, was je eigentlich eine unterwerfung unter den betrieb ist.

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    • Ich frage mich nur, welche Probleme es immerzu mit dem „Neid“ gibt! Warum denn den Neid nicht als Beweggrund für solche Debatten ernst nehmen? Natürlich beneide ich Jan Wagner um seinen Erfolg! Ich bin neidisch. Sehe aber auch ein, dass es deutlich produktivere Lyriker gibt als mich, besser vernetzte auch, die sich selbstverständlich mehr „Preis-Chancen“ erkämpfen.

      Neid empfinde ich als konstruktiv. Das lässt mich einerseits fragen: Was haben „die“, was ich nicht habe … und andererseits: Will ich das? Beides Fragen, an die sich eine ästhetische Auseinandersetzung anschließen kann. Meist ist für mich die Konsequenz zu sagen: Ich will was anderes. Unabhängig davon, ob ich damit mehr oder weniger preis- oder markttauglich bin. Manchmal ist die Konsequenz die, mir zu überlegen: Was kann ich tun, ohne meine künstlerische Autonomie zu gefährden, um in einem bestimmten Kontext vermeintliche Erwartungshaltungen besser zu erfüllen, mich besser zu präsentieren, erfolgreicher zu sein? Wäre da eine Anpassung, eine Verflachung, oder gar eine (politische) Anbiederung mit verbunden?

      Neid ist ein unverlogener Antrieb auch für die künstlerische Auseinandersetzung. Dazu mag auch ein Infragestellen von Jury-Entscheidungen gehören – nur, fürchte ich, bringt das nicht viel. Klar ist eine „Bepreisungskultur“ eigentlich nur dann sinnvoll, wenn ein Preis etwas anderes macht als „der Markt“ – und sich hier als Korrektiv (gegen die ökonomische Engführung) versteht, nicht als Marketing-Instrument: Mit diesem Argument lässt sich die Sinnhaftigkeit des Preises, um den es hier geht, wunderbar infrage Stellen – nicht aber automatisch auch die Wahl des diesjährigen Preisträgers, so meine ich.

      Wann ist der Punkt erreicht, wo Neid in Missgunst umschlägt? Spätestens dann bringt eine solche Debatte nichts mehr. Lieber Jan, und liebe Nora, ich missgönne Euch nichts. Mein ehrlicher Neid und herzlichen Glückwunsch abermals!

      PS: „vielleicht sollten wir beginnen, in kleinen gruppen oder paarweise uns öffentlich über neue gedichtbände oder theoretische texte zu unterhalten. in einer art öffentlichem forum. und vielleicht muss man sich gar nicht auf neuerscheinungen beschränken, was je eigentlich eine unterwerfung unter den betrieb ist.“ Gute Idee!

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      • das sehe ich ähnlich, man sollte aber vielleicht neid und missgunst unterscheiden. wo neid als antrieb funktioniert, ist er durchaus positiv. der vorwurf aber war, dass wir inhaltliche überlegungen nur aus neid formulieren, und man meinte damit missgunst. und das stimmt nicht und ist ein sogenanntes totschlagargument.

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  9. ob es nur 1 buch zur auswahl gab? für die shortlist ja; aber ich glaube mich zu erinnern, daß daniela seel in der debatte sagte, sie hätte auch bücher eingereicht. „Die Jury für den Preis der Leipziger Buchmesse steht jedes Jahr vor einer ungeheuren Aufgabe. Hunderte Bücher wollen gelesen und eingeschätzt werden, 405 Werke reichten die Verlage diesmal ein. Doch in diesem Jahr, sagt der Jury-Vorsitzende Hubert Winkels, sei die Auswahl aus guten Büchern nicht so schwer gefallen.
    „Es gab eine Spitzengruppe von zehn, zwölf Büchern und Autoren, denen man den Preis unbedingt hätte geben können. Aber es gab auch ein sehr breites Feld von Büchern, die dafür weniger infrage kommen.“ In einem eher schwachen Bücherfrühling präsentieren die Leipziger am Donnerstag denn auch einige Überraschungen auf ihrer Shortlist.
    Erstmalig haben die Juroren mit Jan Wagners „Regentonnenvariationen“ einen Gedichtband in die engere Auswahl in der Kategorie Belletristik genommen. “

    bestimmt war wagners buch also nicht der einzige gedichtband. wenn wir die longlist kennten, jede wette daß die teilnehmer an dieser diskussion mehr als 1 gedichtbuch fänden, das „infragegekommen“ wäre. schon da ist es (preis-)politisch. und die jury nennt ihre kriterien nicht, sondern behauptet einfach eine romane und gedichte umgreifende allgemeinästhetische „geeignetheit“ „starker“ vs. „schwacher“ bücher. die juroren hatten a) eine lange liste und b) geheime kriterien für geeignete oder ungeeignete bücher. jedenfalls geben sie keinerlei hinweis darauf, sondern tun so, als wär quasi überraschend ein gedichtband unter die romane geraten und hätte sich halt als der stärkste erwiesen.

    insofern ist das kein „fall wagner“, sondern ein fall „preispolitik“. transparenz ist nicht gerade die stärke deutscher jurys (mit einigen unterschieden: aber auch bei ganz transparenten öffentlichen verfahren wie in darmstadt oder klagenfurt bleiben die kriterien der juroren dunkel und werden von einzelnen juroren abstrakte ästhetische qualitäten behauptet und weder in den öffentlichen jurydebatten noch im feuilleton hinterfragt. oder hab ich was übersehen?)

    also es gibt mangelnde transparenz, aber kein öffentliches bewußtsein dafür. und innerbetriebliche poetologische debatten im netz? fast jeder ansatz dazu, soweit es nicht in engen kreisen gleich- oder ähnlichgesinnter geschieht, wird sofort mit neidvorwürfen belegt und damit abgeblockt. oder hab ich was übersehen?

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  10. „wird zur Neiddebatte“? War es doch schon, es hat doch mit diesem Argument niemand zugehört. Ich denke, wir sollten die Diskussionen aber zunächst möglichst getrennt führen, sonst setzten bestimmte politische Konstelationen manche Positionen von Anfang an unter Druck. Mir ist wirklich erst durch Franks Klarstellung, man habe ja ohnehin als Lyriker bloß Wagner zur Auswahl gehabt, deutlich zu Bewusstsein gekommen, welche auch inhaltlichen Gründe und nicht bloß politische manchen eine Wagnerdebatte wirklich scheuen lassen mögen. Es muss da ein echtes Unwohlsein der eigenen Ästhetik gegenüber geben bei manchem. Denn der Umstand, dass ohnehin nur Wagner zur Wahl stand, wäre doch ebenso ein Totschlagargument für die Debatte, wie der Neidvorwurf. Dabei hätte das Argument auch mehr Noblesse gehbat, weil es sich nicht die Finger mit persönlichen Beleidigungen schmutzig macht, und es hätte nicht so abgestanden gewirkt, aber es wurde nicht verwendet von den Gegnern einer Wagnerdebatte.

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  11. die ganze debatte aber entgleitet ein wenig, habe ich das gefühl. sie wird politisch noch bevor ästhetische positionen benannt werden. so wird sie zu der neiddebatte, die die kritik von anfang an vorgehalten wurde. es geht doch letztlich nicht um preise, sondern darum, welche positionen in der preisvergabepolitik zum ausdruck kommen. und es geht nicht um jan wagner, sondern um positionen, die ihn letztlich in so etwas, wie die erste reihe stellen. vielleicht gelingt es uns ja irgendwann, das ganze ding auf die auseinanderseztzung und darstellung ästhetischer positionen zurückzubiegen. material hätten wir: monika rincks buch „risiko und idiotie“ scheint mir eine super disskussionsgrundlage. oder das bei diaphanes erschienene buch „poesie und begriff“ auch einzelne titel der poeticon reihe. material gibt es, und wir sollten langsam vom preisproblem wegkommen. und foren haben wir doch inzeischen auch. also sollten wir streiten, im besten sinne des wortes. über ästhetische positionen und über politik.

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