65. Es geht um Sex

Einig ist man sich in Frankreich, dass die rund 70 Gedichte ganz Houellebecqs negatives Bild des Universums widerspiegeln. Die poetischen Qualitäten werden überraschend wenig diskutiert, obwohl der Dichter fleißig gereimt hat. Hier nun erweist sich die größtenteils exzellente Übersetzung als ein echter Gewinn für die deutschen Leser. Dies mag paradox klingen, da ja gerade bei der Übertragung von Lyrik das Wesentliche oftmals verloren geht, wie Robert Frost formulierte: „Poetry is what is lost in translation“. Aber die Reime machen keineswegs die Qualität dieser Lyrik aus.

Es geht um Trostlosigkeit und Sex

Es ist geradezu wohltuend, die ungereimten deutschen Verse zu lesen, die in der Ausgabe des Dumont Verlages dem Original gegenübergestellt sind. Hier ließe sich anführen, dass auch Baudelaire, in dessen Tradition Houellebecq sich sieht, für seine „Blumen des Bösen“ klassische Formen wie Alexandriner und Sonett gewählt hat, aber das war schließlich vor mehr als 150 Jahren. Und Reime, die doch arg weit hergeholt erscheinen, finden sich darin nicht. / Caroline Fischer, DLR

Michel Houellebecq: Gestalt des letzten Ufers. Gedichte
Aus dem Französischen von Stephan Kleiner und Hinrich Schmidt-Henkel
Dumont Verlag, Köln 2014
176 Seiten, 18,00 Euro

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