89. Sieger beim Lyrikpreis München 2013

Der erste Preis in Höhe von 1000,- Euro, gespendet von dem Münchner Literaturbüro, wurde Birgit Kreipe zugesprochen.

„Märchenhaft und enigmatisch“ nannte die Jury ihre Gedichte, mit einer wunderbaren Dichte des Über-schichtens, die Räume öffnet, in denen Poesie aufkommt, überraschende, auch krasse Einzelbilder entstehen, traumhaft gehaltene Szenarien über Verlust und Ängste – insgesamt ein genau gearbeiteter Zyklus mit Dramaturgie.
Als Haltegerüst und Disziplinierung des lyrischen Ichs wurde die „Pseudo-Sonettform“ gelobt, wobei die einen Juroren froh waren, dass Birgit Kreipe nur die Makroform des Sonetts einhält und sich Freiheiten erlaubt.

Der zweite Preis in Höhe von 500,- Euro, gespendet von dem „Bibliotheksverband Oberbayern e.V.“ und den „Signaturen – Forum für autonome Poesie“, wurde von der Jury geteilt, und zwar zwischen Kerstin Becker und Odile Kennel.

Die beiden Dichterinnen, sagte der Jurysprecher Wolfram Malte Fues, zeichnen sich durch „sehr saubere und genau konstruierte Gedichte aus, abwechslungsreiche, durchgeformte Texte mit einer Vielfalt und Offenheit der Konstruktion; wobei die einen, die von Odile Kennel, mehr nach außen gehen und die von Kerstin Becker eher innengeleitet sind.“

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6 Comments on “89. Sieger beim Lyrikpreis München 2013

  1. Ich versteh, ehrlich gesagt nicht das ganze Gerede drumrum (auch von Martin Jan. vorher mal …), da ists wohl ziemlich langweilig irgendwo. In Bayern sagt man, blöd daherreden.
    Weitgehend möchte ich Bertram Reinecke zustimmen, nur noch hinzufügen, dass es sicher wenige solche Veranstaltungen gibt, die sich so um Offenheit und Transparenz bemühen. Die Juroren diskutieren, oder geben ihr Statment ab, vor Publikum, das mitdiskutieren darf. Das zieht sich, ist aber ziemlich spannend und macht den besonderen Reiz des Preises aus. Die Jury war so besetzt, dass unterschiedlichste Sichtweisen auf Lyrik zu Wort kamen: 1Prof., 2 Herausgeber bzw. Verleger, 3 Lyriker. Das Endergebnis war eindeutig, und wurde auch vom Publikum so gesehen: nix Gemauschel.

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  2. die kritik zielt auf »die Diskussionen, die gerade über die Gegenwartsliteratur geführt werden«, die nicht nur nach meinem empfinden »völlig unnötig« sind (zitate von erik münnich zu »76. Debatte«). das knappe gut beim schreiben ist zeit, daher ist schreiben ein luxus. die meisten haben schlechteres zu tun. das ganze gerede darum, wer warum wie was verfaßt, ist eine »blase«, die irgendwann platzt. übertroffen wird det janze nun durch die auseinandersetzung zu sinn oder unsinn von literaturpreisen und literaturpreisträgern.

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  3. Liber Kai,

    man kann Lyrikpreise im Ganzen und auch im Detail kritisieren. Ich finde Dein Gedicht ganz witzig. Es stimmt mich aber doch etwas traurig, das man sich hier ausgerechnet auf den Lyrikpreis München einschießt. Der Verdacht, dass die Machen insgeheim davon profitieren, ist nämlich hier weniger berechtigt als bei fast jedem anderen Preis. Auch wenn es durch die Teilnehmergebühr etwas anders aussieht. Es ist eine Schar von Enthusiasten, die mit wie immer zu wenig Geld so etwas auf die Beine stellen. (Ich vermute, ohne es genau zu wissen, dass da Leute privat nicht nur viel Mühe sondern auch Geldbeträge reinschießen) Und es ist irritierend wie erfolgreich die dabei sind. Ich fand in diesem Jahr das Teilnehmerfeld beeindruckend. Was von hier aus wirkt, als würde es Teil des Betriebs sein, wirkt aus Münchner Perspektive erfreulich unorthodox, uneitel und unsatturiert. Wie man auch manche Veranstalter oder Kneipen nicht kritisiert, dass sie kein Honorar zahlen, soll man auch die Leute in Ruhe lassen, die sich da engagieren, ob von vorne als Autor oder von hinten als Juror, Organisator etc. … in Ruhe lassen, wenn man diese Sache schon nicht unterstützen mag.
    Dass und wie Juryentscheidungen und deren Begründungen meist etwas Problematisches haben, ist ein ganz anderes Problem und gilt sicher nicht nur für diesen Preis. (Die Jury muss z.B. auch ziemlich schnell eine Verlautbarung loslassen, sowas sollte man wohl generell nicht auf die Goldwage legen, da werden sich immer schnell gegriffene Phrasen finden.) Auch sind Jurys nach meiner Erfahrung in der Lyrik leider oft auch weniger als die Summe ihrer Teile.
    Die Diskussion, ob die Entscheidungen gut waren, (die Preisträgerin oder auch schon die Endrundenteilnehmer) würde ich lieber mit den Leuten führen, die bei den jeweiligen Runden anwesend waren.

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  4. steht hier, weil einige passagen aus obiger laudatio stammen. und das ist ooch keene antiprovinzkampagne, kein lyrikpreisbashing, richtet sich mehr auf »totholzfeuilletonistische« propagandasprache.
    darf gern auch als auflaufrezept zur laufenden debatte gelten. falls kommentarverschiebung erwünscht, posten wir neu.

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  5. Serviervorschlag für einen Betriebsnudelauflauf aus dem Totholzfeuilleton
    (nach Matthias Hagedorn u. v. a.)

    Geschröpfe des Nordens. Auf südlich-sonnigen
    Matten. Satt & müde. Platt von dezenter Mißgunst.
    Im koreanisch-gräulichen »Weiß der Fuchs«.
    Wann der Dachs abrauscht. Wann das Klima kippt.
    Wann der Zapatist am Soma nippt.

    Märchenhaft enigmatisch. Mit einer wunderbaren
    Dichte des Überschichtens. Die Räume öffnet.
    In denen krasse Kassen rattern.

    Traumhaft entgleitend. Lust und Verlust.
    Als Haltegerüst und Disziplinierung
    wird die Pseudosonettform gelobt.
    Die saubere, genau konstruierte,
    durchgenormte Blamage.

    Wobei die einen mehr nach außen neigen.
    Und die anderen eher
    zwangsgeleitet sind.

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