60. Spätwort

Ausgehend vom Begriff „Spätwort“, den Paul Celan, einer der wichtigsten deutschen Autoren der Nachkriegszeit geprägt hatte, haben Repräsentanten der deutschen, österreichischen und chinesischen Lyrik sowie Literaturliebhaber gestern Nachmittag in der Bibliothek des Goethe-Instituts Beijing den historischen Kontext sowie die Schreibstile der zeitgenössischen Lyrik untersucht. Außerdem wurde die Möglichkeit der Übersetzung und des Dialogs deutscher und chinesischer zeitgenössischer Lyrik diskutiert. (…)

Der deutsche Sinologe Wolfgang Kubin, der auch Lyriker ist und Literatur übersetzt, hat sich noch nie als Übersetzer bezeichnet, weil ihm zufolge Übersetzer „die Dummen“ seien. Er nannte ein Beispiel, bei dem ein Mann ihn als „Betrüger“ bezeichnete, als er ein von Kubin übersetztes Gedicht des chinesischen Dichters Wang Jiaxin gelesen hatte. Er sagte, dass man das Gedicht nicht einmal als Übersetzung erkennen könnte. Der Grund ist für uns offenbar: Kubin hat es einfach zu gut übersetzt. In Bezug auf die chinesische Literatur im deutschsprachigen Raum sagte Kubin, dass jedes Jahr viele chinesische Literaturwerke ins Deutsche übersetzt und publiziert werden. Aber umgekehrt wird sehr wenig deutsche Literatur in China veröffentlicht. Dies sei noch eine offene Frage.

Neben obengenannten Gästen haben der österreichische Schriftsteller Helmuth A. Niederle, der junge deutsche Lyriker Steffen Popp, die chinesische Lyrikerin Lan Lan und der Lyriker Mai Mang sowie der Übersetzer der deutschen Lyrik He Ji an der Veranstaltung teilgenommen. Sie haben aus eigener Perspektive über Literatur in der Nachkriegszeit sowie zeitgenössische deutsche Literatur und Übersetzungspraxis der deutschen Lyrik gesprochen. / Cao Ying, Beijing, German.China.org

One Comment on “60. Spätwort

  1. Kubin ist ein Dampfplauderer. Aber der Artikel auf German.China.org ist sehr lesenswert. Wang Jiaxin und Duo Duo über Celan. Duo Duo würde ich sehr gerne treffen. 1994 habe ich eine Erzählung von ihm übersetzt, damals haben wir korrespondiert. Wang Jiaxin war unlängst in Wien, das war schön. In Deutschland ist Kubin leider manchmal auf Seiten der Kerkermeister in China, siehe seine unsäglichen Kommentare zu Liao Yiwu und Ai Weiwei. Aber irgendwann hat er auch an einer Solidaritätsveranstaltung für Shi Tao teilgenommen, glaube ich. Jedenfalls macht er Wellen. Sonst wärs noch stiller um chinesische Literatur. Naja, wie gesagt, der Artikel auf German.China.org ist gut. Nur schade, dass keine Gedichte dabei oder verlinkt sind.

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