92. Gestorben

Der Übersetzer und Verleger Rüdiger Fischer starb am 4.6. Er übersetzte zahlreiche Titel der französischen Literatur, die er in zweisprachigen Bänden in seinem „Verlag im Wald“ verlegte. Theo Breuer zitierte ihn 2005: „Rüdiger Fischer vergleicht die Situation mit der in Frankreich, wo die Bücher seines Verlags zehnmal so oft besprochen werden wie hierzulande“. Verbleibende Bücher seines Verlags wurden im November 2012 in München verschenkt. Auf der Website des Verlages findet man heute leider nur noch die Mitteilung, daß der Verlag wegen einer Erkrankung die Produktion einstellt. Nicht einmal mehr eine Liste der Titel darf bleiben, so läuft es.

Er verlegte u.a. Lyrik aus Belgien, Polen, Luxemburg, Frankreich, den USA, der Tschechischen Republik, von Werner Lambersy, Liliane Wouters, Yves Namur, Hélène Dorion, Odile Caradec, Gérard Bayo u.v.a.

Die Reihe Poesiealbum bereitet gerade eine Auswahl von Gérard Bayo vor, bei der er nun nicht mehr zur Verfügung steht. Falls jemand dabei helfen kann, Mitteilung erwünscht.

Jochen Arlt im Gespräch mit Rüdiger Fischer, Januar 2012 (Lyrikwelt):

Arlt: Lieber Rüdiger Fischer, Sie mühen sich redlich um Ihr berufliches Fortkommen als Verleger zeitgenössischer Lyrik in mehrsprachigen Buchausgaben. Wie werden Ihnen jene Mühen honoriert vom Buchhandel oder aus dem Gedichte-Leser-Rund?

Fischer: Zuerst: es handelt sich überhaupt nicht um Mühen. Und von „beruflichem Fortkommen“ kann beim Verlegen von fremdsprachiger Lyrik auch nicht die Rede sein. Ich gönne mir ein großes Vergnügen und suche Leute, die das mit mir teilen wollen, und einige finde ich.

Dass kaum noch ein Buchhändler ein Lyrik-Regal hat, das den Namen verdient, ist wohl so bekannt, dass ich es nicht zu erwähnen brauche. Und dass nichts bis nicht viel geschieht (von Seiten der Schule, der Medien, der Kulturinstitutionen), um die Zahl der Lyrik-Leser stabil zu halten oder zu erhöhen, ist auch bekannt.

Seit jeher, dies wissen Sie wie ich, sind Lyriktitel höchst selten in den von Prosa dominierten Bestseller-Listen zu finden.

Deshalb mag ich ja auch keine Prosatitel verlegen. Ich will ja nicht machen, was schon Dutzende anderer besser können, sondern entdecken und bei all diesem Entdecken auch meine Linie finden, das, was mir gefällt, was mir Wichtiges zu sagen hat.

Was motiviert Sie immer wieder zu neuen lyrischen Gratwanderungen?

Ich spaziere nicht auf Graten herum, sondern gehe angenehme Pfade am Hang entlang, ziemlich nahe bei den Häusern im Tal. Das heißt: die Lyrik, die mir gefällt, ist nicht notwendigerweise avantgardistisch, intellektuell, modern, schwierig, hermetisch; das kann sie hin und wieder auch sein, aber vor allem soll sie intensiv, direkt, drängend, ergreifend und für Amateur-Leser wie mich brauchbar sein, die Lesen nicht als Vollzeit-Beruf betreiben oder ein Literaturstudium hinter sich haben (hab ich auch, aber ich hab nicht den Eindruck, daß mir das sehr behilflich war und ist).

One Comment on “92. Gestorben

  1. Sehr traurig. Das wohl letzte Buch, das er übersetzt hat und das erschienen ist, ist wohl mein Band „Fundus – Magasin“. Ich wollte ihn nach dem Erscheinen des Buches vor einem Jahr anrufen und mich bedanken, aber da war er schon nicht mehr in der Lage zu telefonieren.

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