34. Poetischer Honig

Es entsteht ein heiterer Fluss, eine lautliche Durchlässigkeit, in der auch die Identität eines lyrischen Ichs obsolet wird. Wie hier: „Als Atlas/ trage ich so schwer an mir wie an der Welt. Doch gäbe ich mich fort/ bekäm ich mich intakt zurück? Oder mit einem Stechen in der Lunge?/ Sieh, ich will mich ja nicht mehr. (…) Was so verästelt fällt, fällt tiefer, es fällt weicher, fällt zu Bett, ins Wurzelwerk/ des wurzellosen Baumes, Traumes, Schaumes, Schamhaars, Bettchens.“ Und weiter: „Frettchen sind nervöse Tiere, wie es auch die Menschen sind. So fällt es/ für die Gattung günstig aus. Spiegele mich zur Unkenntlichkeit, in Stücken/ gib mich mir wieder zurück. Nichts, nichts anfangen. Eines weitermachen,/ dessen Gegenwart monströs in einer ungemachten, in einer blinden auch,/ in einer Zukunft liegt (. ..) Verstehe nur: Zum Zusammensetzen / hab ich es zerschlagen. Quer steht das Bild. Die Finsternis gehört dazu. (…)“

Nicht, dass wir das nicht wüssten. Aber wo heute die ökonomischen Zwänge in allen Lebensbereichen mit der zuvor ausgerufenen Beliebigkeit aufräumen, ist es doch eine Erkenntnisfreude, einen poetischen Honig zu schlecken, der alles und für alle in sich zu bewahren weiß. „Wir betrachten am Ende den Körper / als Protokoll unseres Lebens.“ / Andreas Kohm, Mannheimer Morgen 8.4.

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