Das Archiv der Lyriknachrichten | Seit 2001 | News that stays news
Veröffentlicht am 1. Januar 2013 von lyrikzeitung
Atanas Daltschew (1904-1978)
Der Reim ist keine äußere Verzierung, sondern ein organischer Bestandteil des Verses. Hat er einmal Eingang in ihn gefunden, bestimmt und verändert er seinerseits alle anderen Elemente, einschließlich des Inhalts. Das Denken in Reimen ist ein Denken mit den vier, fünf Endworten einer Strophe.
Fragm. 173
Der Reim ist eine sehr eigensinnige und despotische Freundin, die einen inspirieren, mit ihren Launen aber auch zugrunde richten kann. Was mich betrifft, so habe ich mich niemals von ihrem Witz betören lassen und war stets bereit, mich von ihr zu trennen, sobald ich sah, daß wir uns nicht verstanden. Mich beginnt diese Klingel sogar richtig zu belästigen, die wie meine Schreibmaschine am Ende jeder Zeile unausweichlich läutet.
Fragm. 173
Vor lauter Reimen kann man nicht sehen, ob noch etwas anderes in seinen Gedichten enthalten ist.
Fragm. 174
Der Reim ist schön durch die Überraschung, die er mit sich bringt, und in diesem Sinne ist er ein Element des Humors. Nicht von ungefähr findet er weiteste Anwendung in humoristischen Gedichten, und seine besten Meister sind die Humoristen: bei uns Podwyrsatschow und Smirnenski, in Rußland Marschak. Im ernsten Gedicht ist er hingegen weniger angebracht, dort stört er häufig, da er die Aufmerksamkeit des Lesers ablenkt.
Fragm. 175
Atanas Daltschew, Fragmente. Übersetzt und herausgegeben von Norbert Randow. Leipzig: Reclam 1980, S. 65f.
Mehr von Daltschew
Kategorie: BulgarienSchlagworte: Atanas Daltschew, Diktionär, Norbert Randow, Reim, Samuil Marschak
Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..
| 中国大好き bei Mein Vater hat mich sehr … | |
| digitalassistenz bei Was Literatur sein kann | |
| versspielerin bei mein tod kennt mich nicht… | |
| jogels61 bei mein tod kennt mich nicht… | |
| jogels61 bei mein tod kennt mich nicht… | |
| lollapaloozacertain0… bei Anti-Jazz, schreiben sie | |
| Angelika Janz bei was soll sich auch dadurch gro… | |
| Stan Lafleur bei Einmal rief Thomas Kling mich… | |
| lyrikzeitung bei Was in mir tobt bin ich |
Kann zu diesem Blog derzeit keine Informationen laden.
Der Reim gehört zu den Skills des Dichters, wie die Bildsprache, Alliterationen, Enjambements und die anderen Stilfiguren klassischer und moderner Rhetorik, die Metrik etc. Das ist was ein Dichter in sein Gedicht bringen kann, woraus er seinen – oder seine Sprachstile hebt. Seine Fähigkeiten und Fertigkeiten in deren Umgang bestimmen seine Klasse nicht mehr in Abhänigkeit des Inhaltes.
LikeLike