33. Buchebners Suche

1948 folgt der Aufbruch nach Wien, wo man «das gedächtnis wie ein klavier dezent auf vergessen stimmt». Buchebner arbeitet am Bau und bei der Bahn; ab 1956 leitet er eine Städtische Bücherei. Er heiratet eine Jugendfreundin, bricht das Studium der Germanistik und Geografie ab – und veröffentlicht erste Gedichte. Als literarische Vorbilder nennt er Paul Valéry, Lorca, Pound oder Majakowski. Im (formal traditionellen) Schriftsteller Hermann Hakel findet er einen Mentor, in (dem experimentelleren) Andreas Okopenko einen inspirierenden Freund. Doch Buchebners Suche nach der eigenen Form gestaltet sich steinig. Die lyrische Avantgarde hält er teils für verrückt (Artmann, Rühm), teils für Rilke-/Trakl-Epigonen im fortschrittlichen Kleid (Celan).

Als «fiebereule von wien» nimmt Buchebner den Posten des scharfen Beobachters und dunklen Boten ein. Allerdings gerät ihm manches Poem – die Jukebox- und Halbstarken-Kultur verdammend, die traditionelle Rolle der Frau beschwörend – noch nicht ganz nach seinen politischen und poetologischen Positionen: Im Manifest «Active Poesie» fordert er staatspolitische Aggression ohne ideologische Verblendung, metallharte Diktion, einen Mix aus transatlantischer Vitalität und «tiefer abendländischer Geistigkeit». Es gelte, den Schlaf des saturierten Bürgers zu stören und «hochtourig» zu fahren wie Kerouac. (…)

Einmal noch kämpft er sich durch bis Paris. Dann, zurück im «gespensterschloss» Wien, läuft er zu letzter Hochform auf – als Lyriker, kurz auch als Maler. Am 4. September 1964 setzt Walter Buchebner seinem «hiobischen» Leben ein Ende. / Ingeborg Waldinger, NZZ 8.12.

Walter Buchebner: ich die eule von wien. Gedichte, Manifeste, Tagebücher, Gouachen. Hrsg. (und Nachwort): Daniela Strigl. Edition Atelier, Wien 2012. 335 S., Fr. 24.–.

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