171. Aus Rumänien

Wie vielfältig die rumäniendeutsche Literatur, früher im Wechselbad zwischen Tauwetter und Eiszeiten, heute in den verschiedensten Stimmen zu erkennen, noch immer ist, zeigten sodann die Lesungen von drei Autoren der mittleren Generation, Horst Samson (geboren 1954), Franz Hodjak (1944) und Hellmut Seiler (1953). Samson, in der Bărăgan-Steppe geboren, heute in Neuberg in Deutschland lebend, ließ in seinen neuen Gedichten die ganze Bandbreite seiner Thematik aufscheinen. Wie es ein kurzer Prosatext veranschaulicht, gilt sein verstärktes Interesse auch der Vertiefung seiner Biografie und den geschichtlichen Banat-Sujets.

Mit dem Lyriker Franz Hodjak –  er las aus einem in Vorbereitung befindlichen Gedichtband, aber auch den Essay „Heimatlosigkeiten“ – ist man sofort mitten drin in der rumäniendeutschen Literatur wie auch in der Avantgarde der modernen deutschen Lyrik. „Einst wechselte ich hier die Sprache mit dem Zug“ – so lautet z. B. ein typischer Hodjak-Vers aus dem kompromisslosen Gedicht „Aufgelassener Bahnhof“.

Hellmut Seiler las in seinem unverkennbaren Stil zwischen Ironie und Selbstironie einige Texte aus einem neuen Lyrikband sowie einen lyrischen Prosatext. „Weh dem, der eine Heimat hat…“, bekennt der Dichter u.a . (…)

Als eine der Überraschungen dieser Tagung des Exil-P.E.N. muss man die unverkennbare Stimme des Lyrikers, Theaterautors und Regisseurs Frieder Schuller (1942, Katzendorf) hervorheben. Die Lesung aus seinem kürzlich uraufgeführten Stück „Ossis Stein“ über Oskar Pastior wurde mit reichem Beifall belohnt.

Dem Publikum von Wolfgang Schlott einfühlsam präsentiert, lasen darauf drei Banater Autoren der mittleren Schriftstellergeneration: Johann Lippet (1951) las aus seinem kürzlich erschienenen Band „Bruchstücke aus erster und zweiter Hand“. Die Lyrikerin und Prosaautorin Ilse Hehn (1943) las aus ihrem aufregenden Zyklus der Reisegedichte. Der Prosaautor Balthasar Waitz (1950) las Auszüge aus seinem Prosaband „Krähensommer und andere Geschichten aus dem Hinterland“.

Ein Vertreter der älteren Generation, der angesehene Autor Dieter Schlesak (1934) – vor Kurzem erlebte sein Erfolgsbuch „Capesius, der Auschwitzapotheker“ auch eine hebräische  Ausgabe – las einfühlsame bis düster anmutende Gedankenlyrik.

Horst Samson verlas am letzten Tagungstag für den leider verhinderten  Literaturhistoriker und -kritiker Dr. Walter Engel (Düsseldorf) dessen Referat „Kontraste. Innenwelt und Außenwahrnehmung des Banats in ‘Krähensommer’ von Balthasar Waitz und ‘Banatsko’ von Esther Kinsky”.
Der Prosaautor Gerhard Ortinau  (1953), ehemaliges Gründungsmitglied der Aktionsgruppe Banat, trug sein berühmtes und auch heute hochaktuelles Gedicht „Die Moritat…“ vor, aber auch einen brillanten, rege Diskussionen auslösenden Text über den ehemaligen SPD-Politiker Herbert Wehner. / Allgemeine Deutsche Zeitung für Rumänien

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