30. Spielerisch

Nicht nur Hartung und von Petersdorff schreiben Sonette! Hier ein Buch, das zeigt, daß das Sonett auch jenseits des Hartungkanons geht (oder überhaupt nur da? Schließlich ist es eine Spielform). Vielleicht ist es eine gute Übung für Kritiker oder Leute, die Geschmack und Urteil schärfen wollen, diese beiden Bücher vergleichend zu studieren? Oder einfach nur Spaß haben (Leute wie Lothar Klünner und HEL stehen dafür). Überhaupt hat es keiner der beteiligten Autoren (ich nenne noch Klaus M. Rarisch und Gisela Kraft) in den Feuilleton- und Akademiekanon geschafft, zu recht? „In hundert Jahren wird man weitersehn“ – Thomas Kunst, auch in einem Sonett, nicht aus dem Band, sondern aus seinen streitbaren Gedichtgedichten. Man kann die Lebenden auch bei Lebzeiten lesen. Lothar Klünner ist 80, nur Gisela Kraft ist früh verstorben. Hier eine Rezension von Ralf Julke aus der Leipziger Internet-Zeitung:

Er trifft sie auch in diesem Büchlein, das sich einer kleinen Anzettelei aus dem Jahr 1995 widmet. So etwas zettelt freilich nur an, wer so eine seltene Spezies wie das Sonett mag. Etwa einer wie Herbert Laschet Toussaint (HEL, heute 55), der 1995 eine Vortragsreihe zum Sonett startete. Und Kollege Lothar Klünner (80) schrieb ein Sonett darüber, das sowas gar nicht mehr ginge. Und Klaus M. Rarisch (76) antwortete mit einem Sonett, das wieder ein Sonett herausforderte – und am Ende beschlossen Klünner und Rarisch einander ein Frühjahr lang mit Sonetten, in denen es auch heftig zur Sache ging, weil echte Sonettisten natürlich sofort sehen, wenn andere zwar so tun, als könnten sie Sonette schreiben – aber die strengen Regeln nicht einhalten.

Zwischenbemerkung: Nach den strengen Regeln der Sonett-Kunst sind einige der schönsten Sonette der Weltliteratur auch keine Sonette.

Was gar nichts macht, auch wenn die beiden in diesem Sonett-Dialog, den sie Tenzone nennen, einander fast die Köpfe abzureißen scheinen. Wobei augenscheinlich auch die „Tenzone“ nicht ganz hinhaut, denn anfangs geben sie sich gar nicht die Mühe, die Endverse ihres Kontrahenten aufzugreifen, um damit ihr eigenes Sonett zu beginnen.

Lothar Klünner und Klaus M. Rarisch & al., Hieb- und stichfest. Streitsonette, Reinecke & Voß, Leipzig 2012

Hier eine Rezension von Dirk Uwe Hansen

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