45. „Poesie zum Pflücken“ vom Zetteldichter

Kaum ein Wiener hat nicht schon einmal einen Zettel mit seinen Zeilen in den Händen gehalten: Für die einen ist Helmut Seethaler, der Zetteldichter, ein Genie – für andere ein Störenfried. Auf seiner alten Schreibmaschine verfasst er „Poesie zum Pflücken“ angeheftet an Brückengeländern, Bäumen und Gebäuden. / tagesschau.de – Die Nachrichten der ARD am 11. Juli 2012

4 Comments on “45. „Poesie zum Pflücken“ vom Zetteldichter

  1. EINGABE an die oberste richterin des verwaltungsgerichts:‎ Nachdem ich die berufung gegen meiner strafe fuer „laermerregung“ verloren hab:  

    Rechtlich richtige formulierung dieser seit 1 jahr neuen juristischen moeglichkeit:

    „ERHEBUNG einer vorstellung“: 

    VGW-031/V/038/RP18/9122/2015-5

    Eine journalistin kann bezeugen, dass die polizei vor gericht gelogen hat: ‎

    Ich hab nicht geschrien vor der polizei! Niemals hab ich das getan. Niemals wuerde ich das tun. Das ist nicht meine art. 

    All meine festnahmen und all meine ‎1000en! „kontakte“ mit behoerden aller art, die glauben die verbreitung meiner gedichte verhindern zu koennen: 
    Verliefen von meiner seite! voellig sachlich und ruhig‎ und voll friedlich. . So wie es meinem niveau entspricht.

    An diesem tag begleitete mich – wie so oft – ein medienmensch.
    Eine journalistin war an diesem tag von anfang an dabei. Das war so ausgemacht. Ich zeigte ihr, wo und wie ich meine gedichte verbreite.

    An diesem tag war sofort ein wiener linien stationswart da und zerstoerte alles.

    Als der wild gewordene stationswart meine gedichte vernichtetete: rief ich kurz laut um hilfe: 

    Denn seine aggression machte mir angst. 

    Wegen meines hilferufens holte er die polizei!

    Ich rief NUR 1x folgenden satz: „Hilfe ein amtlicher kunstvandale zerstoert all meine gedichte!‎ “

    ‎Als die polizei kam, begann eine diskussion. 
     Niemand schrie herum. 

     Aber die polizei behauptet: Ich haette herumgebruellt und die ordnung gestoert…
      Ich dachte bis zur verhandlung, ich wurde  fuer meinen hilferuf bestraft, weil  die kunstvandalen der wiener linien wieder mal 100e!! meiner kleinen zettelgedichte runterrissen.

     Die polizei behauptet: ich haette vor der polizei herumgebruellt. Das habi ich nicht. ‎ Diese strafe ist unfair und ich werde weiter alles rechtliche moeglich tun, um recht zu bekommen. 

    helmut seethaler 

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  2. EINSPRUCH am 9.6.15 
    gegen POLIZEI-Strafverfuegung ueber 70 euro 
    wegen LAERMERREGUNG: 
    GZ: VStV / 915300740251/2015, 
    im Postkasten gefunden am 29.5.15. 

    Ich habe nichts getan, das einen – wie sie meinen „ungebuehrlichen laerm“ erregt hat. 
    Ich habe nicht „wiederholt gebruellt“. Ich rief nur 1x kurz, aber nicht allzu laut um hilfe, als ein uni(n)formierter wiener-linien-vandale begann, meine kunstwerke auf brutale weise zu zerstoeren, die ich auf eine saeule in der ubahnstation schwedenplatz plakatierte. 

    Das machte ich bereits 1.000e! male vorher und werde es auch weiter tun. Mindestens genauso oft. Ich bekam dafuer mehr als 4.000 anzeigen und strafen: Wurde aber in der berufungsinstanz jedesmal freigesprochen! 

    Meine zettel (und das klebeband!) sind leicht und spurlos zu entfernen: Ich drehe normales einseitig klebendes band um: und wickle damit die sauele ein: meist machi 3 – 5 reihen, auf die ich dann meine gedichte und kurzprosa-werke leicht anhefte, sodass sie auch leicht gepflueckt werden koennen. 

    Und immer mehr leute freuen sich, dass es in der beliebtesten, lebenswertesten kulturstadt der welt, gedichte mitten im alltag zu lesen und zur freien mitnahme gibt. 

    Dass auch manchmal grantige ungebildete leute hinzukommen, die eine aversion gegen alle kunst haben und sich an meinen kleinen kunstwerken abreagieren, gehoert leider dazu. 

    Als der stationswart begann, meine kunst zu vernichten, rief ich 1x : “ hilfe, ein amtlicher kunstvandale“. Und schon hoerte er auf, lief weg und rief per notruf die polizei. Er meldete einen „aggressiven randalierer, der ihn bedrohte“.

    Binnen 3 minuten rasten 3! funkstreifen mit blaulicht und sirenen heran: ich wurde von 6 polizeileuten eingekreist. 

    Ich erklaerte ruhig und sachlich, dass ich hier meine arbeit als wiener zetteldichter mache. Zeigte auch einen bescheid des UVS und VGH (VerwaltungsGerichtsHof), der mir laut staatsgrundgesetz 17a bestaetigt, dass die verbreitung meiner gedichte auf diese weise nicht! verboten ist. (Freiheit der kunst). 

    Fazit: Nicht ich habe eine straftat begangen, sondern ich habe mich durch das um hilferufen gegen eine straftat des stationswartes zu wehren versucht. 

    Das ist auch gelungen. Nach abzug der polizei klebte ich fleissig weiter meine gedichte an und viele vorbeikommende lasen erfreut meine werke und nahmen sich einige mit. 

    Kein weiterer vandale mischte sich an diesem tag in die vom grundgesetz garantierte freiheit der kunstverbreitung ein. Und das soll bitte auch so bleiben. Sonst werde ich ab jetzt jedesmal! den polizeinotruf betaetigen, wenn wieder irgendein amtlicher glaubt, er darf kunst zerstoeren. 

    besten gruss. und danke fuer die jahrzehntelange antagonistischezusammenarbeit. ohne die waer ich nicht der geworden, der ich nun bin. 

    helmut seethaler

    1200 wien wasnerg. 43/8 

    zetteldichter@gmail.com 

    tel. 01/330 37 01 

    http://www.zettelpoet.at 

    http://www.facebook.com/wiener-zetteldichter

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  3. Die Angst des Zetteldichters vor dem Zerpflücktwerden

    Palmetshofer, Stefan (2011) Die Angst des Zetteldichters vor dem Zerpflücktwerden.
    Diplomarbeit, Universität Wien. Philologisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
    BetreuerIn: Rohrwasser, Michael

    PDF
    Download (18Mb)

    Link zu u:search | Link zum Online-Katalog der Universitätsbibliothek Wien

    Abstract in Deutsch

    Der Wiener Zetteldichter Helmut Seethaler ist seit 40 Jahren im öffentlichen Raum tätig. Bekannt für seine „Literatur zum Pflücken“ gilt der widerspenstige Künstler heute als fester, wenn auch isolierter Bestandteil des kulturellen Wiens. In Anlehnung an bekannte Sozialtheorien untersucht die vorliegende Arbeit das Schaffen des Zetteldichters aus drei Blickpunkten: dem Funktionssystem des Rechts, dem Funktionssystem der Kulturpolitik und dem Funktionssystem der Wissenschaft. Um die verschiedenen Disziplinen und gesellschaftlichen Bereiche in einer Arbeit erfassen zu können, muss deshalb ein breiter methodischer Rahmen formuliert werden. Elemente der Diskursanalyse werden mit Elementen von Pierre Bourdieus Feldtheorie und Niklas Luhmanns Systemtheorie verbunden, um anschließend im anarchischen Methodenpluralismus von Paul Feyerabend zu enden. Aufgrund Seethalers eigenwilliger Rechtschreibung muss teilweise auf gängige wissenschaftliche Regeln verzichtet werden, um dem Untersuchungsgegenstand wissenschaftlich gerecht zu werden. Im juristischen Teil wird auf die rechtlichen Rahmenbedingungen eingegangen, in denen Seethaler agiert. Im kulturpolitischen Teil werden die verschiedenen kulturellen Förderungen diskutiert, die für die Zettelliteratur wichtig sind. Im ausführlichsten Teil der Arbeit werden verschiedene mögliche, wissenschaftliche Anätze zur Zettelliteratur besprochen. Die Theaterwissenschaft und die Kunstwissenschaft können hier den spärlichen literaturwissenschaftlichen Forschungsstand erweitern. Es zeigt sich, dass Seethalers Schaffen den Flugblättern des 19. Jahrhunderts ebenso ähnelt, wie es sich als mediatisierte Performance beschreiben lässt, die eine Nähe zu Graffiti und Street-Art-Diskursen andeutet. Auf diese Weise wird ersichtlich, dass Helmut Seethaler seit mehreren Jahrzehnten einen Weg der Literaturverbreitung einschlägt, der heute als modern bis postmodern gewertet werden kann. Die Aktualität seines Schaffens wird betont und Ansätze für weitere Forschung vorgestellt.

    Schlagwörter in Deutsch

    Helmut Seethaler / Zetteldichter / Zettelliteratur / Systemtheorie / Recht / Kulturpolitik / Österreich / Graffiti / Street Art / Multidisziplinarität

    Abstract in Englisch

    For almost 40 year now has the Viennese “Zetteldichter” (Note Poet) Helmut Seethaler been active in public space. The unruly poet, famous for his “Literatur zum Pflücken” (literature to pluck), is nowadays a solid, though isolated part of cultural life in Vienna. The following study, influenced by common social theories, deals with the Zetteldichter’s work from three different angles: the functional system of law, the functional system of cultural politics and the functional system of science. Elements of discourse analysis, elements of Bourdieu’s field theory and Luhmann’s systems theory will all be unified, to conclude in an anarchic approach of methodical pluralisms in the manner of Paul Feyerabend. Seethaler’s writing will be cited uncorrected, neglecting common rules of academic writing, that otherwise would hinder a scientific analysis of the topic at hand. The juridical part of the study deals with Helmut Seethaler legal issues concerning his “Zettelliteratur” (Note Poetry), while the cultural political part discusses the different means of cultural and financial support he receives. . The most elaborate part of the study deals with different scientific approaches to the Zettelliteratur. Theories from Theatre studies and Art studies will further aid the understanding of Seethaler’s work. It will show that his artistic activities resemble the 19th century’s “Flugblätter” (pamphlets) and can also be defined as a specific mediatised performance that incorporates forms of Graffiti and Street-Art-discourses. In conclusion, this paper stresses the actuality of Seethaler’s modern and postmodern work and offers approaches for future studies.

    Schlagwörter in Englisch

    Helmut Seethaler / Note Poet / Note Poetry / Systems theory / Law / Cultural politics / Austria / Graffiti / Street Art / Multidisciplinarity

    Dokumentenart:

    Hochschulschrift (Diplomarbeit)

    AutorIn:

    Palmetshofer, Stefan

    Titel:

    Die Angst des Zetteldichters vor dem Zerpflücktwerden

    Untertitel:

    Helmut Seethaler im systemischen Kontext

    Umfangsangabe:

    125 S. : Ill.

    Institution:

    Universität Wien

    Fakultät:

    Philologisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät

    Publikationsjahr:

    2011

    Sprache:

    ger … Deutsch

    BetreuerIn:

    Rohrwasser, Michael

    BeurteilerIn:

    Rohrwasser, Michael

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