93. Libero

Als 1996 der damals 70-jährige Lokalbesitzer Libero Laganis vor seiner Triestiner Osteria niedergestochen wurde, war der Überfall – der Täter hatte es auf die Tageslosung abgesehen – dem Corriere della Sera einen größeren Artikel wert. Beim Opfer, so der Corriere, handle es sich um den weit über die Landesgrenzen hinaus bekannten „Wirt von Claudio Magris“, wobei der „Professore“ und Literaturwissenschafter nur einer der vielen prominenten Gäste der Osteria in der Via della Risorta war.

Doch der „sagenumwobene Libero“ (Magris) war mehr als ein Szenewirt, er war ein Original, das zu erzählen, aber auch zuzuhören verstand, und er war einer, bei dem es schon mal vorkommen konnte, dass er Gäste, die ihm unsympathisch waren, des Lokals verwies – und andere, die kein Geld hatten, gratis verköstigte.

Nun hat sich der 1964 in Triest geborene Lyriker Gaetano Longo – als Honorarkonsul Kolumbiens für die Region Friaul-Julisch-Venetien und Organisator des Lyrikpreises Triest eine nicht minder schillernde Figur als Laganis – in Libero. Geschichten aus einer Triestiner Osteria (Wieser Verlag) der Lebensgeschichte des Wirtes angenommen, die er sich von ihm erzählen ließ. / Stefan Gmünder, DER STANDARD 21.12.

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