28. Panisches Licht

„Dichtung“, so hat es der 1962 in Neuss geborene Norbert Hummelt einmal formuliert, ist Lichttherapie, auch wenn sie dunkel ist.“ In einem anderen Zusammenhang hat sich Hummelt, der 1993 mit dem Band „Knackige Codes“ im Galrev Verlag debütierte, dazu bekannt, dass er das Wort „Licht“ für „besonders unwiderstehlich“ hält, besonders, „wenn es sich auf nicht reimt.“ Auch ohne Kenntnis dieser Aussagen wäre einem beim Lesen von Norbert Hummelts neuem Gedichtband „Pans Stunde“ aufgefallen, wie häufig und in wie vielen Bedeutungsvariationen das Wort „Licht“ in diesen Gedichten erhellende Verwendung findet.

Das einfallende, aufblitzende, fahle, gleißende oder auch grell scheinende Licht ist eine flüchtige Erscheinung. Lichtspiele sind Augenblickskonstellationen. Sie sind häufig nur von kurzer Dauer und unterliegen deshalb dem Diktat der Vergänglichkeit. Für den Dichter, der das „im Augenblick Gegenwärtige“ in Worte verwandeln will, um es „im Bewusstsein dauerhaft anwesend“ zu halten, stellt deshalb das Licht eine enorme Herausforderung dar. Zu jedem gelebten Augenblick gehört ein bestimmtes Licht. / Michael Opitz, DLR

Norbert Hummelt: Pans Stunde. Gedichte
Luchterhand Verlag, München 2011
90 Seiten, 16,99 Euro

3 Comments on “28. Panisches Licht

  1. „weil jede Situation ihr Licht hat“
    (sihe oben)
    hat auch jede situation ihr gedicht
    mal findet mans im text, mal hat mans satt
    dann findet mans ne weile wieder nicht

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  2. „„Für den Dichter, der das „im Augenblick Gegenwärtige“ in Worte verwandeln will, um es „im Bewusstsein dauerhaft anwesend“ zu halten, stellt deshalb das Licht eine enorme Herausforderung dar.“ Die Kombination aus „deshalb“ und „enorm““ lässt diesen Satz so aussehen, als meinte Michael Opitz tatsächlich, dass es schwierig wäre mit dem Wort „Licht“ irgend etwas zündendes anzustellen. Das Gegenteil ist der Fall: Licht ist entgegenkommend: Licht ist stofflich aber genau so schwebend, wie der Ton den viele Dichter heute anstreben, es ist athmosphärisch ohne dabei unkonkret zu sein, weil jede Situation ihr Licht hat, dass auch aus dem Bildspeicher des Lesers abrufbar ist. Licht verweist auf Wetter Transzendenz Ferne, Weltall usw. man kann es sich jedenfalls aussuchen und durch sehr unkomplizierte Steuerelemente die richtige Sinnrichtung herausschneiden. Licht ist kurz und klingt gut. Offensichtlich gehen viele Dichter mit diesem Wort heute sehr gerne um (sind die andern dann alle schlecht?) … Ein prätentiöser Flachsinn, ein Werbesprech mit dem man dem Dichter Norbert Hummelt keinen Gefallen tut.

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    • wie wahr. und besser wird es andererseits auch nicht durch besinnungsaufsätze wie den von christa wißkirchen (#112 vom 25.10. https://lyrikzeitung.com/2011/10/25/112-pans-aura/), der mit feststellungen aufwartet wie etwa: »[…] wer eine Gedichtsammlung ›pans stunde‹ nennt, gibt sich nicht postmodern, sondern deutet einen Zusammenhang mit unserem abendländischen Bildungshintergrund an« (wo nehmen denn dann die postmodernen so ganz ohne bildungszusammenhang ihre vielen zitate her?) oder: »Bilder oder Gedanken treten nicht isoliert auf, sondern eingelassen in den Wahrnehmungszusammenhang« und dergleichen mehr.

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