48. „Artige Wortmauserei“

Die neun Kapitel sind klar geometrisch geordnet. Da denkt Hefter nach über die Schule des Tanzes, schreibt ein fein gegliedertes „Buch des Körpers“, überrascht mit einem „Pflanzenporno“, mit „Vierschanzengedichten“ über das Skispringen und einem „Handbuch der Pomologie“. Von den seltenen Apfelsorten, die Michael Hamburger einst in seinem Garten in Suffolk züchtete, ist nicht die Rede. Statt Ökologie oder moralischen Geste des Bewahren-Wollens wartet Hefter mit spielerischen Sentenzen über Oberflächenstrukturen, Einkaufsbedingungen und dem Dialekt der Anbauregion auf. Nicht, dass die Verse kein Crossover zu anderen Künsten betrieben: Musik, Malerei, Architektur, Gedanken von Autoren wie John Keats und Simon Dach. Die kommen immer dann ins Bild, wenn sie Assoziationen zu Tanzfiguren wecken: der Schwan, der Pfau, die Hupfdohle. Letztere hätte mit dem Begriff der „artigen Wortmauserei“ der Ironie des von der Debütantin erwähnten Heinrich Heine alle Ehre gemacht. Martina Hefters Gedichte erweitern die Gegenwartslyrik um Bezüge zur Kunst des Tanzes. / Dorothea von Törne, Die Welt

Nach den Diskotheken. Von Martina Hefter. Kookbooks, Idstein und Berlin. 80 S., 19,90 Euro.

Hinterlasse einen Kommentar

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..